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Die Zugtour Ammertalbahn: Landschaftsgenuss zwischen Schönbuch und Wurmlinger Kapelle

Startpunkt Tübingen, Endpunkt Herrenberg

Freizeitkarte F523 Tübingen-Reutlingen (hier online bestellen)

 

Zugfahrer kennen das: Eigentlich könnte man lesen. Oder Radio hören. Aber irgendwie hat man dazu keine richtige Lust. Allzu oft wandern die Augen zum Fenster und werden abgelenkt. Durch die Landschaft, die während der Fahrt an einem „vorbeizufahren“ scheint. Unter dem Motto "Landschaftsgenuss zwischen Schönbuch und Wurmlinger Kapelle" lässt sich während der Zugfahrt auf der Ammertalbahn (KBS 764) viel Interessantes entdecken. Erleben Sie auf der Fahrt von Tübigen nach Herrenberg alle Temperaturen an einem Tag: Heiße Südhänge liegen hier dicht neben kühlen, schattigen Wäldern. Erfahren Sie, warum in der Tübinger Stufenrandbucht heute kein Meer, sondern ein Fluss zu finden ist. Und warum es hier so seltsame Berufe wie Sandbauern und Gipsmüller gab.


Doch Vorsicht! Die Szenerie wechselt: Mal spielen die Filmszenen in Fahrtrichtung auf der rechten, mal auf der linken Seite! Wo und wann die Stationen entlang der Zugstrecke auftauchen, können Sie dieser Karte (pdf) entnehmen. Machen Sie sich bereit! Es geht los!

 

P.S.: Die Ammertalbahn startet in Tübingen bzw. Herrenberg im Halbstundentakt (an Sonn- und Feiertagen im Stundentakt). Die Bahnhöfe in Tübingen und Herrenberg sind mit dem Zug problemlos aus allen Richtungen erreichbar.

 

1. Hauptbahnhof Tübingen

2. Zwischen Westbahnhof und Unterjesingen: der Schwärzlocher Hof

3. Haltepunkt Unterjesingen: Bahnhof & Weinberge

4. Haltepunkt Pfäffingen: Bahnhof & Ammer

5. Haltepunkt Entringen: Bahnhof & Stubensandstein

6. Haltepunkt Altingen: Gips & Schönbuch

7. Haltepunkt Gültstein: die älteste Siedlung im Gäu

8. Bahnhof Herrenberg: Bahnhof & Stiftskirche




Die Ammertalbahn vor dem Ammerhof

1. Tübingen Hauptbahnhof

Heiße Tübinger Südhänge mit einem besonderen Wein. Zum Abkühlen danach hinter die dicken Mauern des Schlosses Hohentübingen. Paradiesisch! Warum also Abschied nehmen vom Neckartal?

 

Heiß und kalt. Mit diesem Spannungsbogen sind sie recht gut beschrieben, die Landschaften des Neckar- und Ammertals westlich von Tübingen. Auf manchen Steinen der südexponierten Hänge von Spitzberg und Schönbuch wird es im Sommer in der Mittagshitze oft über 60° heiß! Bei diesen Temperaturen könnten Sie Spiegeleier braten. Kein Wunder, dass hier nicht nur ein besonderer Wein gedeiht, sondern auch seltene und besondere Tiere und Pflanzen ihre Lebensräume finden. Doch Hitze allein macht nicht glücklich. Deshalb benötigen manche Tiere auch den kühlenden Schatten von Wäldern. Der Naturpark Schönbuch bietet davon mehr als genug. Auch der Mensch fühlt sich hier wohl, bietet doch diese Landschaft zu jeder Jahreszeit besondere Attraktionen.

 

Die Reise führt diesmal in ein Tal, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt: das Ammertal. Seine wahren Geheimnisse offenbart es dem Besucher aber erst auf den zweiten oder dritten Blick. Geschichten von Sandbauern und Gipsmüllern. Von einstürzenden Marktplätzen oder endlosen Prozessionen. Auch der Wein von den Hängen des Ammertals gehört dazu. Keine Angst, er ist viel besser als früher: Damals wurde behauptet, „er schmecke, wie wenn einem eine Katze die Gurgel hinunterfahre“…

 

Neugierig geworden? Dann nehmen Sie doch Abschied vom Neckartal. Wenigstens für dieses eine Mal. Und fahren los. Durch den Tunnel hinein ins Ammertal …

 

Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:

Am 12. August 1909 konnte eine Teilstrecke der Ammertalbahn von Herrenberg bis Pfäffingen in Betrieb genommen werden. Der Bauabschnitt bis zum Tübinger Hauptbahnhof verzögerte sich, weil zunächst der Schlossbergtunnel mit der anschließenden Neckarbrücke gebaut werden musste. Den Eisenbahnbau verzögerten aber auch viele Tübinger, die um ihre Alleen und das Villenquartier entlang der Neckarhalde fürchteten. Die Eisenbahnverwaltung kam den Ästheten in der Universitätsstadt schließlich insofern entgegen, als sie von dem damaligen Star-Architekten Martin Elsässer für die Neckarbrücke eine Eisenbeton-Bogenkonstruktion entwerfen ließ. So verfügte die Strecke bei ihrer feierlichen Eröffnung am 28. April 1910 über einen gewissen architektonischen Pfiff.

 

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Schwärzlocher Hof

2. Zwischen Westbahnhof und Unterjesingen: der Schwärzlocher Hof

Der Schwärzlocher Hof, einen Kilometer nach dem Westbahnhof links am Hang gelegen, ist eine Tübinger Institution. Nicht nur, weil Sie hier in einer ehemaligen Kirche Most trinken können. Auch als Aussichts- und Startpunkt ins Ammertal ist der Hof ideal.

Nach einer  Wandertour findet man hier im alten Herrenhof von Schwärzloch gleich im Doppelpack wohltuende Erfrischungen. Erstens kühlt eine spritzige Mostschorle und zweitens kühlen die dicken Mauern einer ehemaligen, aus der Romanik stammenden Kirche. Gut, dass es wenigstens diesen Hof und die ehemalige Kirche noch gibt, denn das einstmals dazu gehörende Dorf ist verschwunden. Ein Grund dafür ist die Nähe zur Stadt Tübingen, die die Schwärzlocher mit Freiheit und wirtschaftlich interessanteren Betätigungen weglockte. Denn hier im Tal war die Arbeit oft „ein hartes Brot“. Zwar boten Wein und später auch Obstbau für viele ein gutes Auskommen. Trotzdem konnten sich die Ärmsten der Armen oftmals nur durch den Abbau von Steinen vor dem Hungertod retten.

 

Eines sucht man vergebens: den Fluss selbst, der diesem Tal seinen Namen gegeben hat. Die Ammer. In der Tat steht die Breite des Tals in keinem Verhältnis zu diesem kleinen „Kümmerfluss“. Der Grund dafür: Die Ammer war früher größer, verlor aber viele ihrer Zuflüsse. Vor allem an den Neckar, der ihr im wahrsten Sinn des Wortes das Wasser abgegraben hat.

 

Doch „klein“ heißt nicht ungefährlich: Immer wieder hat die Ammer ihr Tal überschwemmt. Das ging oft schnell, denn der Grundwasserspiegel ist recht hoch, wie das Schilf unterhalb vom Schwärzloch heute noch zeigt.

 

Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:

Die Bahnhofsgebäude entlang der Ammertalbahn unterscheiden sich stilistisch zum Teil erheblich von dem des Tübinger Hauptbahnhofs. Diesen entwarf Josef Schlierholz im historischen Stil, der als Ausdruck vom Aufstieg des Bürgertums gedeutet werden kann. Demgegenüber ist der Tübinger Westbahnhof eher der Heimatkunstbewegung zuzuordnen. Diese bemühte sich darum, moderne Industriebauten harmonisch in die Landschaft einzufügen.

 

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Blumenbracht in Unterjesingen

3. Haltepunkt Unterjesingen: Bahnhof & Weinberge

Schwer erreichbar, da im Ausland liegend, war früher die Wurmlinger Kapelle für die Unterjesinger. Doch diese hatten mit ihren Weinbergen genug zu tun, waren diese doch allzu oft ausgemergelt (die Weinberge, nicht die Unterjesinger!).

 

In der Tat: Aus Sicht von Unterjesingen war Wurmlingen bis 1805 Ausland. Denn die Grenze zwischen Württemberg und Vorderösterreich begann gleich hinter dem Dorf. Keine einfache Grenze, waren doch dies- und jenseits davon unterschiedliche Konfessionen zu finden, die bis heute wirken. Zu sehen ist dies am besten während der „Fasnet“, die in den ehemals vorderösterreichisch beeinflussten, katholischen Gebieten eine ganz andere Bedeutung hat als in den protestantischen von Württemberg.

 

Die Wurmlinger Kapelle verdankt ihre einzigartige Lage dem Stubensandstein (vgl. Station 5). Der harte Stein schützte den Wurmlinger Kapellenberg vor schneller Abtragung und ermöglicht uns dadurch heute die durch viele Dichter gerühmte, wunderschöne Aussicht. Der Stubensandstein ist auch der Grund dafür, warum die Unterjesinger „Wengerter“ sowieso wenig Zeit zum Fasnet feiern gehabt hätten: Gerade die Sandsteinlagen ihrer Weinberge waren häufig schnell ausgemergelt. Ihnen fehlte dann Ton, der zur Speicherung von Wasser oder Dünger existenziell notwendig war. Dann half nur noch „Mergeln“, das heißt das Aufbringen eines Ton-Kalk-Gemischs.

Es war ein „Heidagschäft“ für die Weingärtner, den nach jedem Starkregen ausgeschwemmten Mergel wieder auf die Sandsteinböden zu tragen. Mergelgruben oberhalb der Ammertalorte sowie die Redewendung vom „ausgemergelten Körper“ zeugen noch heute von der Bedeutung dieses Rohstoffs.

 

Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:

Im 19. Jahrhundert erlebten Rottenburg, Neustetten und auch das Ammertal einen gewaltigen Aufschwung des Hopfenanbaus. Von der Qualität und der Nachfrage her konkurrierte der Rottenburger Hopfen lange Zeit mit dem Tettnanger Hopfen. Im Ammertal wurde das herb-aromatische Gewächs vor allem in Unterjesingen angepflanzt. Für den Transport nutzten die Hopfenhändler auch die Eisenbahn. Heute kann man die großvolumigen Hopfensäcke nur noch im „Isinger Dorfmuseum“ betrachten. Dort erfährt man auch mehr über den Hopfenanbau in Unterjesingen.

 

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Bahnhof in Pfäffingen

4. Haltepunkt Päffingen: Bahnhof & Ammer

Wie die kleine Ammer das Dorf Pfäffingen zum Umziehen zwang. Und wie sich die Pfäffinger so als Pendler machten …

 

Frage: Was haben der Pfaffenberg, das Schwärzloch und ein Tübinger Stocherkahnfahrer gemeinsam? Antwort: Sie alle befinden sich auf Schilfsandstein. Der Stocherkahnfahrer zumindest zeitweise: Bei seiner Wende an der Neckarbrücke gibt dieser Keupersandstein ihm einen griffigen Halt für seine Stocherstange. Warum aber liegt diese geologische Schicht hier unter dem Neckar, am Schwärzloch als Aussichtsplattform am Hang und am Pfaffenberg sogar in der Höhe? Der Grund dafür ist einfach:
Diese Gesteinsschicht ist schief gestellt und fällt von Nordwesten nach Südosten ein.

 

Zeitreise. Ein Tag um das Jahr 1700. Wieder einmal überschwemmt die Ammer das Dorf Pfäffingen. Und wieder einmal hinterlässt sie Schäden und blanke Not. Die neue württembergische „Dorf-regierung“ wird schnell aktiv: Der größte Teil des Dorfs, einschließlich Kirche und Friedhof, wird auf die Südseite der Ammer verlegt. Diese planmäßige Umsiedlung eines Dorfes kann man heute noch erkennen, am regelmäßigen Ortsgrundriss dieses Straßendorfs. Der Grund dafür ist, dass die Häuser nach dem „Umzug“ entlang einer zentral geplanten Dorf-straße angeordnet wurden.

 

Eisenbahn-Nostalgie-Ecke: 

Die meisten Pfäffinger lebten zum Zeitpunkt des Baus der Ammertalbahn nach wie vor von der Landwirtschaft. Im Ort siedelte zwar 1907 die Reutlinger Firma Schirm und Mittler einen Betrieb an und nach Ende des Ersten Weltkriegs richtete Karl Bacher aus Frickenhausen dort eine Schuhfabrik ein. Doch blieb das Angebot an industriellen Arbeitsplätzen im Ort sehr gering. Deshalb nutzten viele Pfäffinger die neu gewonnene Mobilität auf der Schiene. Der Ortspfarrer notierte 1920, dass sich unter Arbeiterpendlern „ein aufgeklärter Geist“ breit mache, „der es den Herren in der Stadt abgesehen hat, daß man auch leben kann ohne nach Gottes Wort zu fragen“.

 

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Entringen

5. Haltepunkt Entringen: Bahnhof  & Subensandstein

Wie es zum „Kinderreichtum“ in Entringen kam und warum es früher den Beruf des Sandmüllers gab.

 

Wir schreiben das Jahr 1418. Es ist Sommer, ein heißer Sonntag. Auf die Entringer Kirche zu wälzt sich von Schloss Hohenentringen her eine Prozession der besonderen Art: 100 Kinder sind zu sehen. Die ersten von ihnen erreichen die Kirche, als die letzten gerade das Schloss verlassen … So zumindest erzählt es eine Sage aus dieser Zeit. 100 Kinder? Durchaus möglich, waren es doch drei Schlossherrn gleichzeitig, die sich Hohenentringen teilten.

 

Der harte und nährstoffarme Stubensandstein trägt Wälder wie den Schönbuch und Burgen wie Hohenentringen und Roseck. Seinen Namen hat dieses Gestein übrigens von einer seiner Verwendungen: Früher wurden mit ihm die „Stuben“ gereinigt, also die Holzfußböden der Wohn- und Schlafzimmer. Sandbauern brachen den Stubensandstein, Sandmüller mahlten ihn auf speziellen Mühlen zu Sand. Und Fegsandhändler verkauften das begehrte Reinigungsmittel fast in ganz Süddeutschland. Der Stubensandstein vom Schönbuch fand aber auch noch andere Verwendung: Er wurde im Ulmer Münster, ja selbst im Kölner Dom verbaut. Und aus ihm gehauene Mühlsteine wurden sogar exportiert – bis in die Türkei!

 

Eisen-Bahn-Nostalgie-Ecke:

Den entscheidenden Impuls zur industriellen Gipsverarbeitung brachte in dieser Gegend der Bau der Eisenbahn. So entstanden bereits 1910 und 1911 eine Gipsfabrik mit Gachentalbahn zum Entringer Bahnhof und eine zweite Lorenbahn zur Gipsfabrik am Breitenholzer Bahnhof. Da der Abbau teilweise unter Tage erfolgte, brauchte man Spezialisten. Damals zog Louis Rigoni aus dem Trentino nach Entringen; er hatte maßgeblich beim Bau des St. Gotthard-Tunnels mitgewirkt und war nun als Fachmann für das Anlegen der Stollen zuständig.

 

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Ortskern Altingen

6. Haltepunkt Altingen: Gips & Schönbuch

Früher wie heute war es heiß im Ammertal, zumindest an manchen Stellen. Nur gut, dass wenigstens die Schönbuchgenossen meist „cool“ blieben ...

 

Am Rande eines Meeres, vor mehr als 200 Millionen Jahren. Es ist heiß, hier, wo später einmal das Ammertal sein wird. See- und Meerwasser verdunsten. Zurück bleibt ein weiches, weißes Gestein: Gips. Nicht nur als Baugips wurde er früher in unzähligen kleinen Gruben abgebaut, zu dessen Abtransport sogar spezielle Bahnhöfe gebaut wurden (vgl. Station 5). Auch zur Düngung der Felder war er ein gefragter Rohstoff. Die Gipsmüller mahlten ihn zu einem feinen Pulver. Besonders gefragt war Gips aus Wurmlingen, der unter dem Markennamen „Wurmlinger Zucker“ vermarktet wurde.

 

Auch aufgrund des Gipsaufkommens aus der Rauchgasentschwefelung wird Naturgips im Ammertal nur noch in Altingen abgebaut, ganz in der Nähe des alten Gipswerks. Die leichte Löslichkeit des Gipses sorgt bis heute für Boden- und Gesteinsbewegungen, vor allem im Untergrund: Die Schiefstellung des Entringer Kirchturms beispielsweise ist ihm zu „verdanken“.

 

Heiß wird es im Ammertal häufig immer noch, vor allem an den südexponierten Hängen des Grafenbergs im Herrenberger Stadtteil Kayh. So heiß, dass hier eine Pflanze vorkommt, deren nächste Vorkommen erst wieder in den Weiten der russischen Steppen gefunden werden: Die Ungarische Platterbse. Sie konnte sich hier im  Ammertal halten, seit der Zeit, als hier vor einigen tausend Jahren steppenähnliches Klima geherrscht hat.

 

Mittlerweile herrscht hier Waldklima. Der Schönbuch ist dafür ein gutes Beispiel. Bis in das 19. Jahrhundert hinein nutzen ihn viele Ammertäler Orte genossenschaftlich. Nicht nur zur Holzgewinnung, sondern auch als Weidefläche für das Großvieh oder als Streulieferant für die Ställe, denn Stroh war dafür viel zu kostbar. Kein Wunder, dass die Forstverwaltung vor allem diese „waldschädlichen“ Nutzungsrechte abzulösen suchte. Doch das gelang erst nach und nach und manche Gemeinden stritten sich mit den Forstbehörden darüber noch jahrzehntelang!

 

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Gültstein

7. Haltepunkt Gültstein: die älteste Siedlung im Gäu

Eine der ältesten Siedlungen im Gäu? Doch warum ausgerechnet hier? Und was ist das „Gäu“ überhaupt?

 

Die modernen Gewerbe- und Wohnbaugebiete in Bahnhofsnähe täuschen genauso wie der rechtwinklige Ortsgrundriss und die breiten Straßen des Ortskerns. In der Tat war Gültstein, wie viele Nachbardörfer auch, früher ein Haufendorf mit einem unregelmäßigen Grundriss. Ähnlich wie Pfäffingen wurde es aber als geplante Siedlung nach einer Katastrophe wieder neu aufgebaut. Die „Schuldige“ war diesmal aber nicht die Ammer, sondern ein Großbrand, der 1784 das Dorf in Schutt und Asche legte. Dabei gehört Gültstein zu den ältesten Siedlungen der Region, liegt es doch verkehrsgünstig an einem bedeutenden Straßenknoten, heute durch die Autobahn A 81 und die Bundesstraßen B 28 und B 14 markiert.

 

An Straßenknoten inmitten fruchtbaren und früh besiedelten Ackerlandes entstehen gerne Marktorte. So einer war der „Markt“ Gültstein, lange bevor es die Stadt Herrenberg gab. Schließlich liegt der Platz nicht nur verkehrsgünstig, sondern mitten im „Gäu“, einer fruchtbaren Landschaft, die bereits früh relativ dicht besiedelt wurde. Ein wichtiger Faktor dafür sind die fruchtbaren Lössböden, die es hier an vielen Stellen gibt. Wie noch heute in China, wurde der Löss als feiner Flugstaub während der Eiszeiten auf die hier anstehenden und oft wenig fruchtbaren Gesteinsschichten aufgeweht. Hier zeigt sich: Die Eiszeiten hatten durchaus auch ihr Gutes. Doch warum blieb „Markt“ Gültstein so klein? „Schuld“ daran war die Konkurrenz durch eine andere Siedlung. Diese wurde im 13. Jahrhundert am Fuße der Burg von den Pfalzgrafen von Tübingen als Stadt gegründet: Herrenberg.

 

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Stiftskirche Herrenberg

8. Bahnhof Herrenberg: Bahnhof & Stiftskirche

ihr Turm so klein? Und was hat das mit „schwäbischen Männern“ zu tun?

 

Wir schreiben das Jahr 1740. Auf dem Herrenberger Marktplatz rumpelt es. Plötzlich bricht eine tiefe Erdspalte ein. Wieder einmal wurde der Gips im Untergrund vom Wasser ausgelaugt, Hohlräume und Senkungen sind die Folgen. Doch diesmal ist es besonders ernst: In den Kellern der Stadt weiten sich die Risse, Häusergiebel verschieben sich. Vor allem die Einsturzgefahr für die beiden Fachwerktürme der Herrenberger Stiftskirche wird immer größer. 1749 müssen sie schließlich abgebrochen werden.

 

Der instabile Gipskeuper im Untergrund ist es also, der der Herrenberger Stiftskirche ihre prächtigen Türme nahm. Immerhin gibt es sie selbst wenigstens noch. Auch viele Häusergiebel wurden gipsbedingt oft verschoben, mitsamt ihren schwäbischen Männern, ja sogar halben Männern. Doch keine Angst: In Herrenberg sind Männer genauso willkommen wie Frauen und sie werden auch nicht in Stücke geschnitten. Gemeint sind hier alemannische Fachwerkmotive, wie sie besonders in der Herrenberger Altstadt an den zahlreichen Fachwerkhäusern zu erleben sind. Neugierig geworden? Dann nichts wie los zu einem Spaziergang auf den Herrenberger Fachwerkpfad …

 

Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:

Ein Fanal für das Ende der Ammertalbahn schien die Sprengung des Wasserturms in Herrenberg 1976 zu sein. Sie erfolgte drei Jahre, nachdem die Deutsche Bahn die Gleise auf dem Streckenabschnitt zwischen Gültstein und Herrenberg abgebaut hatte. Interessanterweise brachte ausgerechnet ein Stilllegungsantrag der Deutschen Bahn von 1989 die Züge durchs Ammertal wieder ins Rollen. Die Landkreise Tübingen und Böblingen fanden sich 1995 im „Zweckverband ÖPNV im Ammertal“ zusammen. Sie machten die Bahnlinie bis zur Eröffnung am 31. Juli 1999 wieder bis Herrenberg befahrbar und modernisierten sie grundlegend.

 

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Auch zum Wandern bietet das Ammertal und der daran angrenzende Naturpark Schönbuch viele tolle Möglichkeiten www.naturpark-schoenbuch.de. 5 tolle Wandertouren sowie eine Inlinertour enthält unsrer Broschüre "Zugtour Ammertalbahn: Landschaftsgenuß zwischen Schönbuch und Wurmlinger Kapelle".

 

Gerne schicken wir Ihnen die Zugtour inkl. Touren als Broschüre zu! Einfach eine E-Mail an verkehrsverbund@naldo.de schicken.



Fahrplanauskunft
Hinfahrt zum Startpunkt Tübingen Hauptbahnhof
Rückfahrt vom Endpunkt Bahnhof Herrenberg
Datum
(TT|MM|JJ)
Stadt / Ort
Uhrzeit
Uhr