Startpunkt Sigmaringen, Endpunkt Hechingen
Freizeitkarten F523 Tübingen-Reutlingen und F526 Sigmaringen 1:50.000 (hier online bestellen)
Zugfahrer kennen das: Eigentlich könnte man lesen. Oder Radio hören. Aber irgendwie hat man dazu keine richtige Lust. Allzu oft wandern die Augen zum Fenster und werden abgelenkt. Durch die Landschaft, die während der Fahrt an einem „vorbeizufahren“ scheint. Wie in einem Film. Geschichte einmal anders erleben können Sie auf der Zollern-Alb-Bahn 2 (ZAB 2 – 768) die von Sigmaringen über Gammertingen nach Hechingen führt.
Doch Vorsicht! Die Szenerie wechselt: Mal spielen die Filmszenen in Fahrtrichtung auf der rechten, mal auf der linken Seite! Wo und wann die Stationen entlang der Zugstrecke auftauchen, können Sie dieser Karte (pdf) entnehmen. Und nun: Machen Sie sich bereit! Es geht los!
Übrigens, es verkehren zwei Schienenunternehmen auf der Zollern-Alb-Bahn: die beige-roten Züge der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) und die roten Züge der DB-Tochter Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB).
P.S.: die Zollern-Alb-Bahn 2 (ZAB 2) startet im Stundentakt (Achtung: am Wochenende fast ausschließlich Busverkehr der Linie 9!) von Sigmaringen aus nach Hechingen. Der Bahnhof Sigmaringen ist aus allen Richtungen mit Zügen sehr gut erreichbar. Von Hechingen kommt man mit dem Zug in die Richtungen Tübingen und Balingen - Ebingen - Sigmaringen mindestens stündlich wieder weg. Mo-Fr fahren auch die Züge in Richtung Gammeringen regelmäßig. Wir empfehlen Ihnen die Rückfahrt auf der Zollern-Alb-Bahn 1 (ZAB 1), die von Hechingen über Balingen nach Sigmaringen verkehrt.
1. Bahnhof Sigmaringen & deutsche Botschaft
2. Bahnhof Hanfertal - Eisenbahn-Nostalgie
3. Bahnhof Veringenstadt & Göpfelsteinhöhle
4. Bahnhof Gammertingen: HzL-Betriebswerk
5. Bahnhof Burladingen & Europäische Wasserscheide
6. Bahnhof Killer & Peitschenmuseum
![]() Bahnhof und Schloss Sigmaringen |
1. Bahnhof Sigmaringen: In der Residenzstadt und "Drei-Bahnhofs-Stadt" herrschte auch einmal französisches "Hauptstadt"-Flair
Nicht weniger als drei Bahnhöfe zeugen von der ehemals grenznahen Lage dieser Stadt. Und das weithin sichtbare Schloss von der zweiten wichtigen hohenzollerischen Residenz, diesmal der Hohenzollern-Sigmaringen. Doch warum gab es hier einmal eine deutsche Botschaft?
Wie so oft auf der Schwäbischen Alb verdankt das Schloss Sigmaringen seine malerische Lage Tieren und Pflanzen aus der Jurazeit, die an dieser Stelle ein Meeresriff bauten, das später von der Donau herauspräpariert wurde. Nicht nur von außen, auch von innen ist das Schloss mehr als eine genaue Besichtigung wert, ermöglicht es doch vielfältige Einblicke in die höfische Kultur der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen: Die Waffenhalle mit über 3.000 Objekten gilt als eine der größten privaten Waffensammlungen Europas! Von September 1944 bis kurz vor Kriegsende 1945 beherbergte das Schloss die mit dem Dritten Reich kollaborierende Vichy-Regierung. Hunderte französischer Regierungsangehöriger darunter auch eine eigene Polizei, flanierten in den Sigmaringer Straßen. Im Prinzenbau des Schlosses erschien die Zeitung „La France“. Italien, Japan und Deutschland hatten sogar Botschaften in Sigmaringen eingerichtet!
Trotzdem kann man einfach nicht von einem echtem „Hauptstadt-Flair“ sprechen. Schließlich wurde die „Vichy“-Regierung von den Alliierten nicht anerkannt und der Chef dieser „Regierung“, Marschall Pétain, fühlte sich eher als Kriegsgefangener. Die Anwesenheit dieser „Regierung“ war es dann, die Sigmaringen zu einem der wichtigsten Kriegsziele der Franzosen unter de Gaulle machte.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Drei Bahnhöfe? Für eine Kleinstadt wie Sigmaringen? Der Grund dafür ist die Grenznähe: Der Bahnhof der „Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen“ von 1873 war der „Hauptbahnhof“. Der hohenzollerische „Landesbahnhof“ bediente die hier beginnende „interne“ Nebenbahn. Und der badische Bahnhof? Immerhin begann (und beginnt) Baden bereits wenige Kilometer westlich von Sigmaringen. Nur der württembergische Bahnhof ist noch erhalten. Vom Bahnhof der „Hohenzollerischen Landesbahn“ (jenseits des Gleises 6) ist nichts mehr zu sehen. Vom Bahnhof der „Großherzoglich Badischen Staatsbahn“, Endpunkt der Strecke von Radolfzell, stehen dagegen noch eine Lok- und eine Wagenremise. Badener gegen Württemberg? Nicht in Sigmaringen: Hier stand von 1873 bis 1993 sogar ein württemberg-badischer Gemeinschaftsgüterschuppen!
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2. Bahnhof Hanfertal: Ein altes, kleines "Bahnhöfle" wie aus dem Bilderbuch... (Eisenbahn-Nostalgie pur)
Schmuck steht es da, das kleine Bahnhofsgebäude Hanfertal, und zeugt von vergangenen Zeiten ...
Klein, kompakt, aber von großem Nutzen: Das zweigeschossige Empfangsgebäude von 1908 stellt einen Typ dar, der auch anderswo auf der ZAB 2-Strecke vorkommt. Aber nur noch hier ist er komplett erhalten: Mit dem rechts daneben stehenden Aborthäuschen!
Kaum zu glauben: Das kleine „Bahnhöfle“ ist ein echter Abzweigebahnhof: Die ZAB 2 nimmt hier die von rechts einmündende knapp 10 Kilometer lange Güterzugstrecke von Sigmaringendorf auf. Dazu kommt eine mehrgleisige Güterverkehrsanlage, die früher im Wesentlichen von der Bundeswehr genutzt wurde. Heute werden hier jedoch überwiegend andere Güter umgeschlagen.
Und jetzt? Genießen Sie einfach den autofreien Teil des mittleren Laucherttals.
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3. Bahnhof Veringenstadt: Von vielen Höhlen, Neandertalern und Zwergstädten...
Eine Zwergstadt ist keine Stadt für Zwerge. Und die Menschen wohnen hier auch nicht in Höhlen ...
Kurz bevor wir im Tunnel durch das fossile Meeresriff fahren, sind sie zu sehen: Einige der vielen Höhlen und Felsenüberhänge rund um Veringenstadt. Entstanden sind sie durch unterirdische Lösung des Kalks aus dem Gestein und durch Abtragung des Flusses Lauchert. Schon früh wurden sie immer wieder von Menschen aufgesucht und genutzt. In der Göpfelsteinhöhle wurden sogar Reste der Neandertalerkultur gefunden! Kein Wunder: Von hier aus hat man eine gute Aussicht über das ganze Tal. Zudem bietet der ins Tal ragende Sporn des Meeresriffs, um den die Lauchert einen großen Bogen machen muss, Schutz nach drei Seiten. Auch die späteren Bewohner, die Grafen von Veringen, profitierten von dieser Schutzlage und bauten ihre Burg auf das Riff. Zusätzlich versuchten sie, gleich noch eine eigene Stadt zu gründen. Denn wer eine Stadt besaß, war angesehen und hatte durch den Handel Steuereinnahmen. Aber leider blieb Veringenstadt immer klein. Eine „Zwergstadt“, wie die Geographen sagen. Denn die Stadt lag zu weit weg von den Haupthandelsrouten. Zuletzt waren die Grafen so arm, dass sie sogar die Sättel von den Pferden verkaufen mussten.
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4. Bahnhof Gammertingen: Was die ganzen "-ingen-Orte" einem so alles verraten können...
Sind Ihnen schon die vielen auf „-ingen“ endenden Ortsnamen aufgefallen? Vor allem in Gammertingen wird klar, was es damit auf sich hat. Und warum die Alb gar nicht so rau ist wie ihr Ruf …
Szene am Bahnhof Tübingen: „Eisteiga ge Deradinga, Dusslinga, Messinga, Hechinga, Bisinga, Balinga”. Der durch die schwäbische Sprache etwas verwirrte Fahrgast fragt nach: „Fahren Sie auch nach Mössingen?“. Der Bahnbeamte: „Grad dur i s´Maul zua!“ (übersetzt etwa: „Das habe ich doch gerade gesagt!“). Dieser schwäbische Witz sagt nicht nur etwas über die herzlich-ruppige Art der Schwaben, sondern vor allem etwas über die Siedlungsgeschichte dieser Region aus. Denn die „-ingen-Orte“ bilden zumeist die älteste Siedlungsschicht des heutigen Baden-Württemberg: Alemannische Siedlungen aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, die bis heute existieren! „ingen“ heißt dann nichts anderes als „bei den Leuten des“ und steht hinter einem Personennamen. „Balingen“ bedeutet so „bei den Leuten des Balgo“. Balgo hieß also der Führer des hier siedelnden Alemannenstammes. So zeigen die zahlreichen „ingen-Orte“ rund um Gammertingen, dass auch dieser Raum schon sehr früh besiedelt wurde.Doch warum kamen die Alemannen so früh auf die „raue“ Alb? Ein wichtiger Faktor waren die Böden: Erst in letzter Zeit hat die Forschung erkannt, dass es auf der Alb an manchen Stellen sehr mächtige, fruchtbare Lössböden geben kann. Wie noch heute in China, wurde der Löss als feiner Flugstaub während der Eiszeiten hier eingeweht. Hier zeigt sich deutlich: Die Eiszeit hatte durchaus ihr Gutes.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Große moderne Werkstattanlagen zeigen: Dieser Bahnhof ist auch heute noch von Bedeutung! Die ZAB 2-Strecke wird von hier aus elektronisch gesichert. Und: Das Betriebswerk ist eines der modernsten in Deutschland! Eine große Anzahl von Dieselloks und -triebwagen ist hier beheimatet. Aber auch hier gibt es noch Nostalgie-Spuren: Auf Höhe der ersten Werkstatt steht links ein roter Ziegelbau – der letzte vorhandene Lokschuppen aus der Anfangszeit der HzL (Baujahr 1901). Und im Vorbau am Empfangsgebäude ist ein heute noch in Betrieb befindliches mechanisches Stellwerk für einige örtliche Weichen untergebracht. Wie seit Jahrzehnten begibt sich der Fahrdienstleiter mit der roten Mütze auf den Bahnsteig und erteilt mit dem Befehlsstab (auch „Muggabädscher“, hochdeutsch: „Mückentotschläger“, genannt) den Abfahrauftrag.
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5. Bahnhof Burladingen: Kleider machen Leute: Auf zur Schnäppchenjagd nach Burladingen!
Was der „Unterhosenexpress“ mit der heutigen „Schnäppchenjagd“ zu tun hat? Viel, wie das Beispiel Burladingen beweist …
Wir sind in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es ist kurz vor Weihnachten. Hektische Betriebsamkeit am Bahnhof in Burladingen. Eile ist geboten, denn der "Unterhosenexpress“ wartet nicht. In aller Eile wird der Spezialwaggon mit Textilien aus heimischer Produktion beladen. Als Expressgut deklariert, fahren die Textilien zuerst bis Stuttgart. Danach werden sie per Kurswagen in Schnellzügen in alle großen Städte Deutschlands gebracht: Sogar bis hoch hinauf nach Hamburg!
Szenenwechsel. Haben Sie es bemerkt? Die Bahn fährt mitten durch ein Siedlungsgebiet. Und noch heute zeigt der Bahnhof einen sonderbaren Anbau auf der linken Seite: Es ist der Erweiterungsbau für den Wartesaal. Aufgrund des Booms in der Textilindustrie wurden viele Arbeiterhäuser direkt an die Bahn gebaut. Und 1940 musste sogar der Wartesaal für die Arbeiter und Schüler erweitert werden. Ein Erweiterungsgebäude nur für Textilarbeiter! Und ein extra Wagen nur für Unterwäsche! Es zeigt, wie bedeutsam die Textilindustrie bis vor kurzem für die Region war.
Wenn auch mittlerweile viele Betriebe verschwunden sind oder verlagert wurden: Einige haben hier nicht nur überlebt, sondern konnten ihre Geschäftsfelder sogar ausbauen. Ein Beispiel dafür ist die hier in Burladingen mit mehreren Werken vertretene Firma Trigema. Was diese und andere Textilfirmen alles anbieten? Finden Sie es heraus! Bei Ihrer eigenen Schnäppchenjagd …
Eisenbahn-Nostalgie:
Gleich hinter dem westlichen Industriegebiet von Burladingen erreichen wir wieder die europäische Wasserscheide. Hier 734 Meter über dem Meeresspiegel. Festhalten! Die folgenden zwei Kilometer geht es im Gefälle 1:36 rasant abwärts! Können Sie sich vorstellen, was für ein anstrengendes Abenteuer eine Fahrt bergauf hier früher war? So mancher Zug musste die „Schlichte“ genannte Strecke wieder rückwärts fahren und im tiefer gelegenen Bahnhof Hausen-Starzeln erstmal „Dampf machen“.
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6. Bahnhof Killer: Keine Angst vor dem Killertal...
Obwohl hier vor allem Peitschenliebhaber voll auf ihre Kosten kommen und sogar eine alte Geheimsprache gesprochen wird.
Vor allem um die Ortschaften Hausen, Starzeln und Killer wird es deutlich: Das Tal ist eng. Es gibt nur wenig gute Ackerflächen. Die heute so geschätzten Wacholderheiden im Tal sind „Armutszeiger“ denn sie beweisen, dass große Teile der Nutzflächen nur beweidet und nicht beackert werden konnten. Dazu kommt, dass die wenigen Äcker durch die Erbsitte der Realteilung im Laufe der Zeit immer kleiner wurden und für den Lebenserwerb nicht mehr ausreichten. Die Landwirte mussten deshalb im Winter nach einem Zusatzerwerb Ausschau halten. Eine Spezialität der Killertäler war dabei die Herstellung von Peitschen. So gab es vor allem in Killer und Jungingen regelrechte „Peitschenfabriken“, denen die Landwirte in Heimarbeit hergestellte Fertigteile zulieferten. In der Blütezeit kam die Hälfte aller in Deutschland hergestellten Peitschen aus dem Killertal! Kein Wunder also, dass ausgerechnet hier, im alten Bahnhofsgebäude von Killer, das „Deutsche Peitschenmuseum“ zu finden ist. Auch der Hausierhandel bot ein willkommenes Zubrot. Über viele Wochen hinweg waren die Hausierer vom Killertal zu Fuß in Oberschwaben, Vorarlberg oder Südbaden unterwegs. Für die Verkaufsgespräche entwickelten sie dabei eine eigene „Geheimsprache“: Das „Pleisla“. In dieser Sprache konnten sich die Killertäler untereinander über Preise, Rabatte etc. verständigen, ohne dass ihre Kunden das Geringste verstanden. So bedeutete der Satz „Er hot´s Watza“ wörtlich übersetzt „Er hat den Wurzelballen“ (einer Pflanze). entschlüsselt bedeutet der Satz: „Vorsicht! Seid still!“ oder auch „Wechselt das Thema!“.
Übrigens: „Killer“ hat nichts mit Gewalt zu tun: Der Name ist wahrscheinlich nur eine Verballhornung des Ortsnamens „Kirchweiler“.
Nur noch 9 km sind es von Killer bis Hechingen. Dann haben Sie Ihre Reise durch Hohenzollern fast abgeschlossen. Falls Sie etwas verpasst oder Lust auf einen Ausflugstipp bekommen haben, dann einfach die Schleife nochmals fahren! So oder so: Hohenzollern wird auch bei Ihrem nächsten Aufenthalt wieder viel zu bieten haben. Versprochen!
Unser Tipp für die Weiterfahrt: Von Hechingen auf die Zollern-Alb-Bahn 1 (ZAB 1 - 766) umsteigen und dann weiter in Richtungen Tübingen oder Sigmaringen fahren. Die ZAB 1 bieten wir ebenso als Zugtour an.
Gerne schicken wir Ihnen die Zugtour als Broschüre zu! Einfach eine E-Mail an verkehrsverbund@naldo.de schicken.














