Startpunkt Tübingen, Endpunkt Sigmaringen
Freizeitkarten F523 Tübingen-Reutlingen und F526 Sigmaringen 1:50.000 (hier online bestellen)
Zugfahrer kennen das: Eigentlich könnte man lesen. Oder Radio hören. Aber irgendwie hat man dazu keine richtige Lust. Allzu oft wandern die Augen zum Fenster und werden abgelenkt. Durch die Landschaft, die während der Fahrt an einem „vorbeizufahren“ scheint. Wie in einem Film. Geschichte einmal anders erleben können Sie auf der Zollern-Alb-Bahn 1 (ZAB 1 – 766) die von Tübingen über Hechingen und Balingen nach Sigmaringen führt.
Doch Vorsicht! Die Szenerie wechselt: Mal spielen die Filmszenen in Fahrtrichtung auf der rechten, mal auf der linken Seite! Wo und wann die Stationen entlang der Zugstrecke auftauchen, können Sie dieser Karte (pdf) entnehmen. Und nun: Machen Sie sich bereit! Es geht los!
Übrigens, es verkehren zwei Schienenunternehmen auf der Zollern-Alb-Bahn: die beige-roten Züge der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) und die roten Züge der DB-Tochter Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB).
P.S.: die Zollern-Alb-Bahn 1 (ZAB 1) startet im Zwei-Stundentakt von Tübingen aus nach Sigmaringen. Der Tübinger Bahnhof ist mit dem Zug aus Richtung Rottenburg, Herrenberg und Metzingen problemlos erreichbar und auch vom Sigmaringer Bahnhof kommt man in alle Richtungen bequem mit dem Zug wieder heim! Wir empfehlen Ihnen die Rückfahrt auf der Zollern-Alb-Bahn 2 (ZAB 2), die von Sigmaringen nach Hechingen verkehrt und von dort das restliche Stück wieder mit der ZAB 1 bis Tübingen.
2. Zwischen Dusslingen und Nehren
11. Haltepunkt Straßberg-Winterlingen
12. Ehemaliger Haltepunkt Kaiseringen
14. Zwischen Storzingen und Inzigkofen
15. Ehemaliger Bahnhof Inzigkofen
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1. Hauptbahnhof Tübingen und Schloss Hohentübingen - von Pfalzgrafen, der Uni und den ältesten Kunstwerken der Menschheit
Typisch Tübingen: Hier ballt sich nicht nur Wissen, sondern auch Geschichte: Schließlich hängen die beiden Themen auf das Engste miteinander zusammen. Wie? Das Schloss Hohentübingen erzählt mehr davon …
Die Pfalzgrafen von Tübingen waren es, die hier mit ihrer Burg eine uralte Furt über den Neckar bewachten. Der heutige Schlossbau geht auf eine Anlage der württembergischen Grafen und späteren Herzöge zurück. Schon früh erkannten diese, was spätestens seit der Pisa-Studie Allgemeingut ist: Wissen ist Macht! Kein Wunder also, dass sie bereits 1477 eine der ältesten deutschen Universitäten hier gründeten. Bis heute sind einige ihrer Institute im Schloss Hohentübingen untergebracht, darunter auch die Archäologie.
Schon allein ihretwegen lohnt sich ein Schlossbesuch. Denn dieser Wissenschaft ist es zu verdanken, dass hier weltweit einmalige Besonderheiten zu sehen sind: Die ältesten Kunstwerke der Menschheit aus den Höhlen der Schwäbischen Alb.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Tübingen hat nicht nur eine frühe Universität. Auch einen frühen Bahnhof! Mit dem ältesten Empfangsgebäude und der ältesten Bahnhofsgaststätte der beiden Bahnstrecken! Die stadtseitige Giebelinschrift nennt die Bauzeit 1861 – 1863. Und warum ausgerechnet hier? Weil an dieser Stelle die Steinlach, ein kleiner, aber starker Fluss, einen breiten Schwemmkegel aufgebaut und dadurch einen „Bauplatz“ für den Bahnhof geschaffen hat: Sie hat es folglich verdient, dass die Bahnstrecke ihrem Lauf folgt. Wenn auch nur am Anfang.
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2. Zwischen Dusslingen und Nehren: "Parlez-vous francais?" - Ein Haltepunkt nur für Franzosen! (Eisenbahn-Nostalgie pur)
In der Tat: Der frühere Haltepunkt Gomaringen hat eine besondere Geschichte. Eine deutsch-französische. Und diese ist nur eine von vielen entlang der Hohenzollern-Bahn …
Ein herrlicher Sommertag im Jahr 1947. Am Haltepunkt Gomaringen herrscht viel Betrieb. Aber warum hört man nur Französisch? Und warum steigen nur Soldaten in Uniform ein und aus? Gomaringen gehörte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zur französischen Besatzungszone im neu geschaffenen Land „Württemberg-Hohenzollern“. Auch das bis dahin preußische Hohenzollern war darin aufgegangen. Und Landeshauptstadt war … nein, nicht Stuttgart, sondern Tübingen! Natürlich mit einer starken französischen Militärpräsenz. Obwohl in den französischen Garnisonstädten Tausende von „Franzosenwohnungen“ nach einheitlichem Muster gebaut wurden, waren diese in Tübingen damals Mangelware. Deshalb wurden französische Besatzungssoldaten und ihre Familien im nahe gelegenen Gomaringen einquartiert. Um ihnen den Einkauf oder Schulbesuch in den französischen Einrichtungen in Tübingen zu erleichtern, machte die französische Militärverwaltung kurzen Prozess: Auf eigene Kosten musste die Gemeinde ein Bahnhofsgebäude erstellen.
Ab Herbst 1946 hielten hier die ersten Züge. Aber: Das Zusteigen war damals nur französischen Besatzungsangehörigen gestattet! Erst zwei Jahre später wurde der Haltepunkt für alle frei gegeben. Und das blieb so bis zum 1.6.1977, als die Deutsche Bundesbahn die Haltestelle wegen zu geringer Nutzung schloss.
Heute steht das gemeindeeigene Gebäude leer und seine Zukunft ist ungewiss. Auch wenn das Gomaringer Häuschen eher eine traurige Erinnerung ist; die Franzosenzeit ist bis heute für die Region von Bedeutung, wie der Tübinger Stadtarchivar Rauch feststellt: „Ohne die Franzosenzeit gäbe es in Tübingen vermutlich bis heute kein Landestheater, keinen Rundfunk (SWR) und kein deutsch-französisches Kulturinstitut“.
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3. Bahnhof Mössingen: "Da ist nirgends nix gewesen außer hier" - vom Mössinger Generalstreik und Rechenmachern
Der erste Blick auf Mössingens Bahnhofstraße zeigt nichts Besonderes: Eine dynamische Industriestadt. Doch hier geschah etwas, was in ganz Deutschland nicht passierte. Obwohl es wahrscheinlich die Geschichte verändert hätte …
Es ist der 31. Januar 1933. In der Bahnhofstraße von Mössingen sind Polizisten aufmarschiert. Mit Gewalt beenden sie einen Streik, der in die Geschichte eingehen wird: Es ist ein Generalstreik, von der KPD deutschlandweit ausgerufen nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler. Hunderte von Arbeitern der Mössinger Textilindustriebetriebe folgen dem Aufruf. Doch nach wenigen Stunden ist klar: „Da ist nirgends nix außer hier“: Deutschlandweit wird nur in Mössingen gestreikt. Demotiviert und erschöpft geben die Arbeiter auf. Das Verhängnis des Nationalsozialismus in Deutschland nimmt seinen Lauf. Welchen Weg hätte die Geschichte wohl genommen, wenn damals, ganz am Anfang der national-sozialistischen Gewaltherrschaft, alle so gehandelt hätten wie die Mössinger …?
Vielleicht kein Zufall, dass dieser Streik ausgerechnet hier stattfand, denn Opposition zu den Herrschenden scheint den Mössingern in die Wiege gelegt zu sein. Bereits ein Verwaltungsbericht aus dem Jahre 1607 stellt fest, die Mössinger Bürger seien „ein halsstarriges, rebellisches Gesindlein“.
Wohl aus Rache für seiner Meinung nach falsche Entscheidungen füllte ein Mössinger einmal während einer Gemeinderatssitzung den Schirm eines Ratsherrn mit seinen Exkrementen. Man kann sich dessen Überraschung vorstellen, als dieser seinen Schirm dann öffnete … Ob die Mössinger trotz dieser Geschichte den nicht gerade schmeichelhaften Ortsnecknamen „Schirmscheißer“ verdient haben? Die Geschicklichkeit der Mössinger Handwerker ist heute noch berühmt, wie man am Beispiel der früher weithin bekannten Rechenmacher sehen kann. Und erleben: Denn Gott sei Dank blieb die Werkstatt des vorletzten Mössinger Rechenmachers erhalten …
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Plötzlich auftretende Schienenlücken! Davon können die Mössinger ein Lied singen: Am 21. April 1945 sprengten zurückweichende deutsche Truppen hier mehrere Brücken und unterbrachen so die Bahnstrecke. Züge aus Tübingen konnten danach nur bis vor die erste Lücke jenseits des Flusses Steinlach fahren. Das Einsteigen war entsprechend schwierig. Noch heute zeugen Bodenspuren vor dem Bahnhof (bei km 15,4) vom Behelfsbahnsteig aus Brettern. Es wurde damals sogar ein Steg über die Steinlach und ein kleines Holzhäuschen für den Fahrkartenverkauf gebaut!
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4. Bahnhof Bodelshausen: Halt Grenzstation! Ab Bodelshausen beginnt Preußen! (Eisenbahn-Nostalgie pur)
Sind Sie bereit zu einer Auslandsreise? Früher hätten Sie es sein müssen. Denn Bodelshausen war mal Grenzbahnhof nach Preußen.
Es ist das Jahr 1869. Auf dem Bahnsteig von Bodelshausen warten zwei Reisende auf einen Zug. Der eine davon ist Bodelshausener, der andere stammt aus dem damals preußischen Hohenzollern. Plötzlich sagt der Bodelshausener zu seinem Mitreisenden: „Ich scheiß` auf Preußen“. Der Angesprochene will gerade wütend über ihn herfallen, da geht der pfiffige Bodelshausener auf das Aborthäuschen. Und der preußische „Ausländer“ muss seinen Ärger hinunterschlucken. Denn die Äußerung des Bodelshauseners ist keine Beleidigung: In der Tat stand das (heute abgerissene) Aborthäuschen, Zufall oder nicht, bereits auf preußischem, das (heute noch stehende) historische Bahnhofsgebäude dagegen auf württembergischem Gebiet.
Diese Grenze war nicht nur eine wichtige Landes-, sondern auch Konfessionsgrenze. Das zeigen zahlreiche Wegkreuze entlang der Bahn in Hohenzollern. Die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen (ab 1850 als „Hohenzollernsche Lande“ – Teil Preußens) waren überwiegend katholisch, Württemberg jedoch protestantisch.
Doch im 18. Jahrhundert grenzte nicht nur das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen an das württembergische Bodelshausen. Gleich fünf Herrschaftsgebiete stießen hier aneinander: Neben Württemberg und Hohenzollern-Hechingen waren es die zur freien Ritterschaft gehörende Herrschaft Hirrlingen der Herren von Ow, gefolgt von Hemmendorf, das dem Gebiet des „Hochlöblichen Ritterlichen St. Johann Ordens“ gehörte. Ganz im Norden grenzte schließlich auch noch das zum (katholischen) Vorderösterreich gehörende Dettingen an. Die fünf Territorien waren durchaus mit frühen Staaten vergleichbar, wenngleich sie nicht völlig souverän, sondern in den Staatenverband des Deutschen Reiches eingebunden waren.
Vor lauter Zollformalitäten wären wir damals kaum mehr zum Reisen gekommen. Das heutige „grenzenlose“ Bahnfahren war also nicht selbstverständlich. Wir verdanken es Napoleon, der diese Kleinstaaterei Anfang des 19. Jahrhunderts gründlich „flurbereinigt“ hat. Wobei ... einige Ausnahmen davon gab es schon. Wie und warum, das erfahren wir bei der Station 15.
Und jetzt: Auf nach Hohenzollern! Es hat viel zu bieten …
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5. Bahnhof Hechingen: Was für eine Burg! Doch sie steht auf ziemlich wackeligen Beinen...
Vielleicht der schönste Anblick der beiden Bahnstrecken: Die Umfahrung der Burg Hohenzollern.Stolz sitzt sie auf der Spitze eines Vorberges der Schwäbischen Alb. Doch dieser Standort ist Fluch und Segen zugleich …
Es ist der 3. September 1978. Immer wieder zittert der Boden. Ein Erdbeben! An vielen Gebäuden der Region gibt es Schäden. Auch die Burg Hohenzollern wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. In der Tat steht sie direkt auf einer Nahtstelle der Erdkruste, der Albstadt-Scherzone unter dem Zollerngraben. Mitten im am meisten von Erdbeben bedrohten Gebiet Zentraleuropas! Doch wie so oft ist der Fluch zugleich Segen, denn der Burgenstandort, ein exponierter, einzeln stehender „Zeugenberg“, ist ebenfalls den geologischen Störungszonen im Untergrund zu verdanken.Doch gibt es einen schöneren Burgenstandort? Kein Wunder, dass hier bereits die dritte Burg als gemeinsame Stammburg der preußischen und süddeutschen Zollern steht.
Eine romantische Burg und zugleich ein national-dynastisches Monument. Denn der maßgebliche Auftraggeber, der preußische König Friedrich Wilhelm IV., war Romantiker. Aber auch eine wehrhafte und drohende Burg. Schließlich erhob Preußen damals Anspruch auf die Führung des gesamten deutschen Staates! Mit dem Wiederaufbau sollte auch die alte Verbundenheit Preußens zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation demonstriert werden.
1867 wurde sie von König Wilhelm I. eingeweiht. Dem gleichen König, der 1871 deutscher Kaiser wurde. Und damit die Burg Hohenzollern zur Wiege dieses neuen Kaisertums.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Die „Beinahe-Umfahrung“ der Burg verdanken wir den Eisenbahnplanern: Damit die Normsteigung von 1:100 nicht überschritten wird, mussten diese die Bahntrasse weit nach Osten „ausholen lassen“. Für die 50 Meter Höhengewinn von Hechingen bis Zollern benötigt die Schiene somit eine Länge von 6,2 Kilometern gegenüber 3,3 Kilometer Luftlinienabstand!
Übrigens: Hechingen hat mehrere Bahnhöfe: Der „Hauptbahnhof“ wurde 1869 von den „Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen“ im preußischen „Ausland“ eröffnet. Zum tiefer gelegenen „Landesbahnhof“, führt ein Übergabegleis in Form einer Spitzkehre. Er besteht seit 1901, als die ersten Züge der HzL-Strecke in Richtung Burladingen hier starteten. Eigentlich schade, dass heute meist nur noch die schweren Salzzüge von der Saline in Stetten bei Haigerloch in Richtung Bayern durch den romantischen Landesbahnhof fahren. Von 1912 bis 1973 gab es sogar noch einen dritten Hechinger Bahnhof – doch wer kennt schon „Friedrichstraße-Sickingen“?
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6. Ehemaliger Bahnhof Zollern: Der ehemalige Bahnhof Zollern - ein Bahnhof für Fürsten! (Eisenbahn-Nostalgie pur)
Klein, aber fein: Der ehemalige Bahnhof Zollern wurde schließlich für Fürsten gebaut. Und das zeigt sich nicht nur an seinen stillen Örtchen …
Schon die Ähnlichkeit von Baustil und verwendeten Baumaterialien signalisieren: Dieser Bahnhof gehört zur Burg Hohenzollern! In der Tat: Benutzt wurde er von Persönlichkeiten des Hochadels beim Besuch der Burg. Zumindest bis 1914 trafen hier Könige und Kaiser ein, um danach mit der Kutsche auf den Zollerberg hinauf zu fahren.
Und der Turm? In der Tat hatte das Empfangsgebäude bis 1929 auch noch einen Turm. Und dessen Oberteil fiel … nein, diesmal nicht einem Erdbeben zum Opfer (siehe Station 5): Es war einfach baufällig geworden und musste abgerissen werden. Dass die Fürsten auch sonst gerne „für sich“ waren, zeigt sich auch an der unüblich großen Entfernung des Empfangs- (Klosett für Fürsten) zum Nebengebäude (Klosett für die Allgemeinheit): Wahrscheinlich wegen der erheblichen Geruchsbelästigung, die von den damaligen Plumpsklos ausgingen. Die Inneneinrichtung des Fürstensalons wurde leider bei einem Einbruch 1977 zerstört. Im gleichen Jahr wurde der Bahnhof übrigens von der Deutschen Bundesbahn aufgegeben.
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7. Bahnhof Bisingen: Von Lenau bis Goethe: Auf der "Schweizer Straße" traf sich die Welt
Eine Schweizer Straße? – mitten in Hohenzollern? Und warum traf sich hier die Welt?
1833. Zeit der deutschen Romantik. In einem Gasthaus im Bisinger Ortsteil Steinhofen sitzt ein Gast noch über seinen Notizen. Es ist Nikolaus Lenau, der eigentlich Nikolaus Edler Niembsch von Strehlenau heißt. Vor ein paar Stunden ist er mit einer Postkutsche angekommen. Über einen Holztisch gebeugt, beschreibt er die noch frischen Eindrücke seiner Reise, gemischt mit eigenen wehmütigen Erfahrungen: „… Rauher war mein Postillion, Ließ die Geißel knallen, Über Berg und Tal davon, Frisch sein Horn erschallen ...“ So lautet eine Strophe aus seinem später berühmt gewordenen Gedicht „Der Postillon“. Gereist war er auf der Poststraße.
Bereits seit dem Mittelalter führte diese „Schweizer Straße“ genannte Fernverbindung von Cannstatt nach Schaffhausen. Nicht nur für Lenau, auch für andere Berühmtheiten war sie eine wichtige Verbindung in den Süden. So beschreibt Johann Wolfgang von Goethe die Poststraße in seiner im Jahre 1797 angetretenen „Reise in die Schweiz“. Könige und Kaiser, aber auch Vaganten, Musikanten, Soldaten und Gesellen auf der Walz nutzten die Straße für ihre Reisen.
Doch zumindest auf der vom Zug aus immer wieder sichtbaren modernen Fernstraße, der zum Teil vierspurigen B 27, ist es mit der Romantik vorbei. Heute reist man auf der Schiene weitaus romantischer. Schließlich folgt die Hohenzollern-Bahn der Schweizer Straße bereits seit Tübingen.
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8. Bahnhof Balingen: Bizerba - vom Handwerksbetrieb zum Global Player: eine schwäbische Erfolgsgeschichte
Egal, bei welcher Metzgerei dieser Welt Sie Ihr Fleisch kaufen: Gewogen wird es in vielen Fällen auf einer Waage von Bizerba. Doch warum ist diese Waage so erfolgreich? Und was hat das Ganze mit Balingen zu tun?
Es ist der 7. November 1868. Der zuvor in Ebingen tätige und jetzt in Balingen wohnhafte Mechaniker Andreas Bizer gründet eine Firma zur „Fabrikation von Brücken-, Tisch- und Balkenwaagen“. Sicher ahnt er nicht, dass er damit soeben einen wichtigen Grundstock für das spätere Weltunternehmen Bizerba gelegt hat. Der Bau von Waagen war und ist eine der Stärken dieser Region. Angefangen hat es in dem unscheinbaren, kleinen Albdorf Onstmettingen. Um 1770 erfindet hier der Pfarrer und „Tüftler“ Philipp Matthäus Hahn die weltweit erste Waage mit Skala! Bald schon greift das so begründete feinmechanische Handwerk auf die ganze Region über. So entstehen Waagenbau-Betriebe u. a. in Jungingen und Ebingen, darunter auch jener der Gebrüder Johannes und Andreas Bizer. 1924 dann, längst hat Andreas Bizer sein Unternehmen verkauft, kommt der Durchbruch: Unter dem Namen „Bizerba“ (Abkürzung für „Bizer-Balingen“) entwickelt und vertreibt die Firma eine Waage, wie sie noch nie da war: Die „Neigungsschaltgewichtswaage“. Sie kommt ohne jegliche lose Gewichtssteine aus – kein Wunder, dass sie einen Siegeszug rund um die Welt antritt. Wie dem auch sei. Selbst wenn Fleisch einmal ausverkauft sein sollte. Eines ist in den Metzgereien dieser Welt fast immer vorhanden: Eine Bizerba!
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Balingen als bedeutender Eisenbahnknotenpunkt? Fast! Immerhin war der 1874 eröffnete Bahnhof Balingen bis zur Umwandlung der Deutschen Bundesbahn in die Deutsche Bahn AG 1994 Hauptdienststelle für die Zollernbahn (heute ZAB 1). 1911 wurde der Bahnhof erweitert und erhielt das heutige, im Jugendstil erbaute große Empfangsgebäude. Als Vorgriff auf die „Knotenplanung“. Doch Planung heißt nicht immer Umsetzung: Von den vorgesehenen privaten Nebenbahnen nach Schömberg (-Rottweil/Spaichingen), Rosenfeld und Stetten bei Haigerloch wurde 1911 nur die Bahn nach Schömberg gebaut (heute ZAB 3). Also doch kein so großer Eisenbahnknotenpunkt. Übrigens: Falls Sie Lust auf Radfahren bekommen haben: Seit 2002 fahren auf der „ZAB 3“-Strecke den Sommer über sonn- und feiertags von Tübingen aus „Rad-Wander-Shuttles“ umsteigefrei bis Schömberg!
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9. Haltepunkt Frommern: Fahren wir... auf potenziellen Ölquellen? Das schwäbische Öl.
Vom „schwäbischen Öl“, seiner Geschichte…und was davon geblieben ist …
Es ist das Jahr 1949. Nachkriegszeit. Am „Töff-töff-töff“ des Traktors hört man es nicht. Aber es ist ein besonderer Traktor, schließlich fährt er mit „schwäbischem“ Sprit: dem Liasol. Benannt ist es nach dem Lias, einer Gesteinsserie des Jurameers, über das die Hohenzollern-Bahn bereits seit etlichen Kilometern immer mal wieder fährt. Teile des Gesteins enthalten als „Kerogen“ bezeichnete brennbare Stoffe. Es sind Reste von Lebewesen, gestorben vor ca. 180 Millionen Jahren im damals sauerstoffarmen Teil des Jurameers. Doch die Hoffnungen auf einen „schwäbischen Öl-Boom“ haben sich nie erfüllt, denn der „Ölschiefer“ enthält zu wenig Kerogen. Seit dem Zweiten Weltkrieg liefen in Frommern Versuche zur Gewinnung dieses „Schieferöls“. Tausende von Menschen bezahlten die erfolglosen Versuche mit ihrem Leben: Nicht nur Häftlinge aus Frommern, sondern auch aus zahlreichen anderen Außenlagern des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im Elsaß (wie zum Beispiel Bisingen). Denn solche Versuche liefen auch in zehn Werken des „Unternehmen Wüste“ genannten Programms der Nazis, alle entlang der Bahnlinie Tübingen-Rottweil gelegen. Doch scheinen andere Schätze des „Ölschiefers“ vielversprechender zu sein: Neben den Rohstoffen zur Zementherstellung sind das vor allem die oft wundervoll erhaltenen Fossilien, wie es sie im nahen Dotternhausen nicht nur zu bewundern, sondern sogar selbst zu finden gibt! Nicht umsonst erhielt die Schwäbische Alb die hochbegehrte Auszeichnung „UNESCO GeoPark“.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Sind Sie bereit für eine „Bergtour“? Ab Frommern wird es steil! Es geht hinauf zur europäischen Wasserscheide kurz vor Albstadt-Ebingen. Bei einer Steigung von 1:45 (wie bei der berühmten Geislinger Steige) wird die Zollernbahn zur echten Gebirgsbahn! Dazu trägt auch der 77 Meter lange Viadukt über den Messstetter Talbach in Lautlingen, ein Meisterwerk der Brückenbaukunst bei. Nach 9,7 Kilometer Fahrt und einem Höhengewinn von 172 Metern gelangen wir (fast genau am Haltepunkt Albstadt-Ebingen West) an die Wasserscheide in 738 m Meereshöhe. Diesseits über den Rhein in die Nordsee, fließt das Wasser jenseits der Wasserscheide über die Donau ins Schwarze Meer. Theoretisch, denn unterirdisch hat der Rhein der Donau längst das Wasser abgezapft.
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10. Bahnhof Albstadt-Ebingen: Groz-Beckert - Nadeln aus Albstadt, (nicht nur) für die Pullover der Welt.
Tragen Sie gerade einen Pullover? Wenn nicht von Ihnen selbst oder einem Ihrer Verwandten, dann wurde er mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Nadeln der Firma Groz-Beckert aus Ebingen gestrickt …
Nicht mit heißen, sondern mit schnellen Nadeln werden sie gestrickt, die Strickwaren dieser Welt. Und zwar mit Zungennadeln auf Strickmaschinen. Die Nadeln dafür kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit von Groz-Beckert. Doch Textilien werden nicht nur für Kleidung benötigt. Sondern auch für Herzklappen, Fischernetze, Windkraftrotoren oder Fahrzeugteile aus Karbon, für den Flugzeugbau und für Weltraumtechnologien. Die dahinter stehenden Technologien enthalten ebenfalls fast immer Nadeln von Groz-Beckert. Doch wie entsteht eine solche Weltfirma? In diesem Fall dadurch, dass schwäbisches und sächsisches Know-How zusammen kommen. Das schwäbische Know-How durch Theodor Groz, „Nadler“ und Tüftler aus Ebingen. Aus kleinsten Anfängen nimmt Groz 1852 die Herstellung von „Strumpfwirker-Nadeln“ auf und legt damit den Grundstock für den „schwäbischen“ Zweig der Firma Groz-Beckert. Als Erstem in Deutschland gelingt ihm die Produktion der aus England stammenden „Zungennadeln“ für Strickmaschinen. Die sächsischen Anfänge sind ebenfalls bescheiden: Nach einem schweren Unfall wendet sich der bislang im Bergbau tätige Carl Friedrich Ernst Beckert mehr aus Langeweile denn aus Interesse der Herstellung von Nadeln zu. 1871 gründet er eine Firma zur Herstellung von Zungennadeln, die später nach Chemnitz verlagert wird. Vor allem die schweren Folgen der Weltwirtschaftskrise führen 1937 zu einem Zusammenschluss der beiden Firmen mit Hauptsitz in Ebingen. Auch wenn Teile der Produktion heute in Ländern wie Tschechien, Indien oder China zu Hause sind: Das Know-How für Innovationen kommt noch immer aus Ebingen.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Das Bahnhofs-Empfangsgebäude im Stil der fünfziger Jahre weist darauf hin: Es ist das jüngste seiner Art auf der Zollernbahn! Den Grund dafür verrät uns die Geschichte: Es ist der 18. April 1945. Am Gleis 1 wartet ein mit Munition beladener Güterzug auf die Abfahrerlaubnis. Plötzlich tauchen sieben amerikanische Jagdbomber auf und nehmen den Zug unter Beschuss. Einige Güterwagen geraten sofort in Brand und explodieren. Die Detonationen setzen sich den ganzen Tag und die folgende Nacht über fort. Die Folgen sind dramatisch: 16 Tote sind zu beklagen! Und das alte Empfangsgebäude ist vollkommen zerstört.
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11. Haltepunkt Straßberg-Winterlingen: Zwei Burgen. Eine Wüstung. Und ein "grenzüberschreitender" Bahnhof
Zwischen zwei harten fossilen Meeresriff-Felsen hat die Schmeie das Tal buchtartig aufgeweitet. Auf dem rechten: Eine Burg! Mit einem Dorf. Auf dem linken: Nichts! Verschwunden! Mitsamt dem Dorf! Doch solche „Wüstungen“ sind nicht nur etwas für die Geschichte …
12. Jahrhundert. Misstrauisch beäugen sich die Herren der beiden Burgen. Denn schließlich liegen sie nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Und jede Burg hat ihr eigenes Burgdorf. Was dann passierte, liegt im Dunkel der Geschichte verborgen. Vielleicht wurde ein Burgherr stärker als der andere und hat diesen verdängt? Denn nur noch die Burg Straßberg mit dem gleichnamigen Dorf ist erhalten geblieben. Von der anderen Burg, der Schalksburg, sind nur noch Geländespuren und kleine Mauerreste sichtbar. Das wahrscheinlich zu ihr gehörende Burgdorf Oitringen ist völlig verschwunden. Nur Gräber zeigen, dass es hier einmal ein eigenständiges Dorf gegeben hat. Längst hat die Siedlung Straßberg auf seine alte Gemarkung übergegriffen. Solche „Wüstungen“ sind in Südwestdeutschland häufig zu finden. Denn nur allzu oft musste der Mensch Höfe, Dörfer und sogar Städte ganz oder teilweise aufgeben: Unfruchtbare Böden, Naturkatastrophen, Kriege und Krankheiten und vor allem die Konkurrenz zu wirtschaftlich erfolgreicheren Siedlungen kamen als Ursache dafür in Frage.
Auch heute noch sind Wüstungen ein aktuelles Thema und werden es wohl auch in Zukunft sein: so etwa, wenn Siedlungen von Folgen der Klimaänderung bedroht sind ...
Übrigens: der Bahnhof von Straßberg (Hohenzollern) und Winterlingen (Württemberg) ist wirklich ein „grenzüberschreitender“ Bahnhof!
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12. Ehemaliger Haltepunkt Kaiseringen: Eine badische Militär-Seilbahn im preußischen Kaiseringen (Eisenbahn-Nostalgie pur)
Nur noch Reste von der Kaiseringer Seilbahn sind erhalten, und doch erzählen sie eine besondere Geschichte …
Lassen sie nicht das Herz eines jeden Modelleisenbahners höher schlagen? Das winzige „Empfangsgebäude“ und der Güterschuppen von 1914? Obwohl seit 1983 aufgelassen, bietet das „Bahnhöfle“ von Kaiseringen noch mehr spannende Schätze: Bodenverformungen hinter dem Empfangsgebäude und eine direkt an der bergauf führenden Straße in Richtung Frohnstetten auf der rechten Seite stehende riesige Stützmauer. Sie diente als Widerlager einer Seilbahnbrücke. In der Tat gab es hier von 1912 bis 1921 eine Material-Standseilbahn! 4 Kilometer lang, führte sie schnurgerade zur Albhochfläche hinauf und diente dem Aufbau und der Versorgung des Truppenübungsplatzes Heuberg. Er wurde ursprünglich für das XIV. badische Armeekorps errichtet.
13. Bahnhof Storzingen: Von Panzern, Zügen und dem ersten bemannten Raketenstart (Eisenbahn-Nostalgie pur)
Warum nur ist der Bahnhof dieses kleinen Ortes so groß? Des Rätsels Lösung kennen Sie bereits … aus Kaiseringen!
Es ist der 1. März 1945. Der Luftwaffenpilot Lothar Sieber steigt in die „Natter“.
Der erste bemannte Raketenstart der Welt steht bevor! Doch der Start geht schief: Leutnant Sieber kommt bei seiner für die Weltraumfahrt bedeutenden Pionierleistung ums Leben. Wo das Ganze stattfand? Auf dem Truppenübungsplatz Heuberg bei Stetten am kalten Markt. Die großen Anlagen des Bahnhofs Storzingen weisen darauf hin: Wir befinden uns auf dem Verladebahnhof des heute noch betriebenen Truppenübungsplatzes, der nur wenige Kilometer entfernt auf der Hochfläche liegt. Hier wurden und werden auch Panzer verladen.
Übrigens: Neben diesem „badischen“ gab es bei Münsingen auch einen von Württemberg begründeten Truppenübungsplatz auf der Alb. Der ist heute ein Schutzgebiet.
14. Zwischen Storzingen und Inzigkofen: Autofrei mit erstklassigem Zugausblick durch den "Jurassic Reef Parc" (Eisenbahn-Nostalgie pur)
Lehnen Sie sich zurück! Ruhen Sie sich aus! Und genießen Sie die einmalige Fahrt mit der Bahn durch einen fossilen Meeresriffpark …
22 Brücken, 2 Tunnels und unzählige Einschnitte! Und das auf dem kleinen Abschnitt zwischen Kaiseringen und Inzigkofen! Der Bau der Bahnstrecke durch den jurazeitlichen „Meeresriffpark“ war alles andere als einfach. Denn fossile Meeresriffe sind hart. Das hat nicht nur der kleine Fluss Schmeie spüren müssen. Auch die Donau hat sich schwer in Falten gelegt, als sie begonnen hat, sich in den felsigen Untergrund einzugraben. Kein Wunder, dass die Eisenbahn so engen Falten nicht folgen kann, sondern eine „eigenständige“, von den Flusstälern immer wieder abgekoppelte Trassenführung benötigt.
Dafür gibt es hier keine Straße, der naturnahe Flusslauf blieb weitgehend erhalten. Und der Bahnreisende wird mit immer wieder wechselnden, reizvollen Aussichten auf eine besonders vielfältige Landschaft belohnt: Höhlenartige Nischen („Kolke“) an den Meeresriffen aus Oberjurakalken zeugen von der Kalklösung und der harten Abtragungsarbeit der Flüsse.
Als „Balmen“ bieten sie besondere, vor Niederschlägen geschützte Lebensräume. Nicht nur von seltenen Pflanzen und Tieren, auch von steinzeitlichen Menschen wurden diese Felsenüberhänge („Abris“) mit ihren „Schutzdächern“, immer wieder gerne aufgesucht. Feuerstein- und Beutetierknochenfunde beweisen, dass diese ihre Fellhütten hier aufgebaut haben.
Auf den harten Felsen selbst finden sich Reste von „Steppenpflanzen“, wie sie hier einmal vor Jahrtausenden verbreitet waren, als die Wälder sehr viel lichter waren als heute. Statt von Meeressauriern wie vor 140 Millionen Jahren werden die Riffe heute von Kolkraben, Uhus, Wanderfalken, Gämsen und … von Kletterern besiedelt. Doch das ist eine andere Geschichte, die Sie am besten selbst erleben. Im Naturpark Obere Donau.
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15. Ehemaliger Bahnhof Inzigkofen: Wie Frauenpower die Hohenzollern mehr als nur rettete...
Die Donaubrücke führt direkt hinein: In den Landschaftsgarten der Hohenzollern-Fürstin Amalie Zephyrine. Französische Gartenarchitektur in Inzigkofen? Und was hat das mit der Rettung der hohenzollerischen Fürstentümer zu tun?
1803-1806: Durch die Kriege Napoleons erzwungen, werden die geistlichen Territorien im heutigen Baden-Württemberg ganz, die weltlichen Territorien teilweise aufgehoben. Gewinner sind das Großherzogtum Baden, das Königreich Württemberg und ... ausgerechnet die kleinen Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen. Und das, obwohl Napoleon noch größere Fürstentümer als die beiden Hohenzollern radikal aufgehoben hat, wie das Beispiel der heute noch durch eine Biermarke bekannten Fürstenberger zeigt. Warum wurden ausgerechnet die Hohenzollern verschont?
Die Erklärung: Fürstin Amalie-Zephyrine war eine enge Freundin der späteren Kaiserin Joséphine de Beauharnais, der ersten Gemahlin Napoleons, und machte, während sie getrennt von ihrem Mann in Paris lebte, ihren gesamten Einfluss für den Erhalt der hohenzollerischen Fürstentümer geltend. Tatkräftige Unterstützung erhielt sie dabei von den preußischen Vettern und von den hohenzollerischen Beamten, die geschickt verhandelten.
Und so blieben die beiden Fürstentümer nicht nur erhalten, sondern erhielten auch noch zusätzlichen Besitz, wie z. B. das Kloster Inzigkofen. Doch die Reste des von Fürstin Amalie rund um das ehemalige Kloster angelegten Gartens sind nicht nur sichtbares Zeugnis ihres politischen Geschicks. Sie sind auch ein gartenhistorisch bedeutsames Denkmal, das beweist, wie der Mensch bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts „Zurück zur Natur“ wollte.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Bahnhof Inzigkofen heute: Eine von Sigmaringen aus ferngestellte Weiche, drei Signale, keine Reisenden, keine Bahnsteige. Seit 1978 halten hier keine Züge mehr. Szenenwechsel. Wir sind im Jahre 1910. Zehn uniformierte Mitarbeiter betreiben mehrere Wärterstellwerke, sieben Hauptsignale und etliche Weichen. Kein Wunder, denn Inzigkofen ist seit 1889 ein vollwertiger Abzweigbahnhof: Hier kommen die Strecken aus Albstadt und aus dem Tal der oberen Donau (Tuttlingen) zusammen und die „Bähnler“ haben alle Hände voll zu tun. Sie glauben das nicht? Denn gehen Sie doch auf Spurensuche und sehen Sie selbst…
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16. Bahnhof Sigmaringen: In der Residenzstadt und "Drei-Bahnhofs-Stadt" herrschte auch einmal französisches "Hauptstadt"-Flair.
Nicht weniger als drei Bahnhöfe zeugen von der ehemals grenznahen Lage dieser Stadt. Und das weithin sichtbare Schloss von der zweiten wichtigen hohenzollerischen Residenz, diesmal der Hohenzollern-Sigmaringen. Doch warum gab es hier einmal eine deutsche Botschaft?
Wie so oft auf der Schwäbischen Alb verdankt das Schloss Sigmaringen seine malerische Lage Tieren und Pflanzen aus der Jurazeit, die an dieser Stelle ein Meeresriff bauten, das später von der Donau herauspräpariert wurde. Nicht nur von außen, auch von innen ist das Schloss mehr als eine genaue Besichtigung wert, ermöglicht es doch vielfältige Einblicke in die höfische Kultur der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen: Die Waffenhalle mit über 3.000 Objekten gilt als eine der größten privaten Waffensammlungen Europas! Von September 1944 bis kurz vor Kriegsende 1945 beherbergte das Schloss die mit dem Dritten Reich kollaborierende Vichy-Regierung. Hunderte französischer Regierungsangehöriger darunter auch eine eigene Polizei, flanierten in den Sigmaringer Straßen. Im Prinzenbau des Schlosses erschien die Zeitung „La France“. Italien, Japan und Deutschland hatten sogar Botschaften in Sigmaringen eingerichtet!
Trotzdem kann man einfach nicht von einem echtem „Hauptstadt-Flair“ sprechen. Schließlich wurde die „Vichy“-Regierung von den Alliierten nicht anerkannt und der Chef dieser „Regierung“, Marschall Pétain, fühlte sich eher als Kriegsgefangener. Die Anwesenheit dieser „Regierung“ war es dann, die Sigmaringen zu einem der wichtigsten Kriegsziele der Franzosen unter de Gaulle machte.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Drei Bahnhöfe? Für eine Kleinstadt wie Sigmaringen? Der Grund dafür ist die Grenznähe: Der Bahnhof der „Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen“ von 1873 war der „Hauptbahnhof“. Der hohenzollerische „Landesbahnhof“ bediente die hier beginnende „interne“ Nebenbahn. Und der badische Bahnhof? Immerhin begann (und beginnt) Baden bereits wenige Kilometer westlich von Sigmaringen. Nur der württembergische Bahnhof ist noch erhalten. Vom Bahnhof der „Hohenzollerischen Landesbahn“ (jenseits des Gleises 6) ist nichts mehr zu sehen. Vom Bahnhof der „Großherzoglich Badischen Staatsbahn“, Endpunkt der Strecke von Radolfzell, stehen dagegen noch eine Lok- und eine Wagenremise. Badener gegen Württemberg? Nicht in Sigmaringen: Hier stand von 1873 bis 1993 sogar ein württemberg-badischer Gemeinschaftsgüterschuppen!
Unser Tipp für die Rückfahrt: Von Sigmaringen auf der Zollern-Alb-Bahn 2 (ZAB 2 768) nach Hechingen und in Hechingen dann wieder auf die Zollern-Alb-Bahn 1 (ZAB 1 - 766) umsteigen. Die ZAB 2 bieten wir ebenso als Zugtour an. So oder so: Hohenzollern wird auch bei Ihrem nächsten Aufenthalt wieder viel zu bieten haben. Versprochen!
Gerne schicken wir Ihnen die Zugtour als Broschüre zu! Einfach eine E-Mail an verkehrsverbund@naldo.de schicken.






















