Startpunkt Schelklingen, Endpunkt Gammertingen
Freizeitkarte F524 Bad Urach 1:50.000 (hier online bestellen)
Zugfahrer kennen das: Eigentlich könnte man lesen. Oder Radio hören. Aber irgendwie hat man dazu keine richtige Lust. Allzu oft wandern die Augen zum Fenster und werden abgelenkt. Durch die Landschaft, die während der Fahrt an einem „vorbeizufahren“ scheint. Wie in einem Film. Genießen Sie mit allen Sinnen auf der Schwäbischen Alb-Bahn (SAB - 759) von Schelklingen über Münsingen nach Gammertingen. Diese Bahnstrecke bietet Ihnen ein nostalgisches Bahnerlebnis der besonderen Art: Verträumte Bahnhöfe und andere Anlagen aus der Zeit von Telegrafie und Dampfloks entführen Sie in eine andere Zeit...
Bitte beachten Sie: die Schwäbische Alb-Bahn fährt diese Strecke komplett immer nur sonn- und feiertags von Mai bis Mitte Oktober! Den kompletten Fahrplan finden Sie in unsere Broschüre "Das Schwäbische Alb Freizeit-Netz", die immer Mitte April von uns herausgegeben wird. Inzwischen gibt es aber auch unter der Woche (Montag - Freitag) auf Teilstrecken ein Zugangebot.
Doch Vorsicht! Die Szenerie wechselt: Mal spielen die Filmszenen in Fahrtrichtung auf der rechten, mal auf der linken Seite! Wo und wann die Stationen entlang der Zugstrecke auftauchen, können Sie dieser Karte (pdf) entnehmen. Machen Sie sich bereit! Es geht los!
1. Bahnhof Schelklingen und Zementwerk
2. Pumphäusle in Teuringshofen
5. Bahnhof Marbach & Haupt- und Landgestüt
6. Bahnhof Gomadingen & Wacholderheiden
7. Kloster Offenhausen & Sternberg
9. Zwischen Klein- und Großengstingen: Fasnetsgrenze & Zahnradbahn
10. Trochtelfingen ALB-GOLD Bahnhalt und Kundenzentrum
11. Bahnhof Trochtelfingen & Albquell-Brauhaus
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1. Bahnhof Schelklingen und Zementwerk: Meeresablagerungen für Kaugummi: Wer hätte das gedacht?
(Der Bahnhof Schelklingen ist von Münsingen aus mit der Schwäbischen-Alb-Bahn und der Buslinie 333 erreichbar und seit Anfang 2008 in den naldo integriert. Außerdem ist er aus den Richtungen Ulm und Sigmaringen stündlich mit der Donautalbahn erreichbar, diese ist aber nicht in den naldo-Tarif integriert!)
Das sinnliche Erlebnis beim langsamen Zerkauen eines Kaugummis: Für viele ein Genuss! Hätten Sie gedacht, dass Sie das einem Gestein verdanken? Es ist Kalk, bestehend aus 140 Mio. Jahre alten versteinerten Resten von Meeresablagerungen.
Hintergrundinfo:
Vom Bahnhof aus links sofort erkennbar: Das Zementwerk Schelklingen mit den umliegenden Steinbrüchen. Das Jurameer lieferte hier eine fast fertige Rohstoffmixtur zur Zementherstellung: Denn Kalk, Quarz, Eisen- und Aluminiumoxid bilden die wichtigsten Grundlagen für diesen wichtigen Baustoff. Von diesen Möglichkeiten waren die früheren Bewohner, Neandertaler und Eiszeitmenschen, natürlich weit entfernt. Doch auch sie haben uns Sehenswertes hinterlassen: Die ältesten Kunstwerke der Menschheit finden sich schließlich in den zahlreichen Höhlen, die kohlensäurereiche Sickerwässer in das Kalkgestein der Alb gelöst haben. Ein Beispiel dafür ist der Schelklinger „Hohle Fels“.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Ab Schelklingen sind sie sichtbar, direkt neben der Bahnlinie: Telegrafenmasten mit ihren Porzellanisolatoren. Zeugen aus einer Zeit, in der es noch keine Handys gab: Zur Sicherung der Zugfahrten und der Regelung der Reihenfolge der Züge verständigten sich die Fahrdienstleiter entlang der Strecke über Morsezeichen, später über Telefonapparate. Übertragen wurden diese elektrischen Signale über die Telegrafenlinie. Etwa die Hälfte der Masten ist noch betriebsfähig und wird sogar zur Kommunikation genutzt.
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2. Gebäude am Ortsrand von Teuringshofen: "Mir dädet´s scho no saufa...": Wassergenuss auf der Alb.
Nach einer ausgiebigen Wanderetappe ein klarer Schluck naturreinen Wassers. Gibt es was Besseres? Auf der Schwäbischen Alb war dieser Genuss früher nur wenigen vergönnt. Das kleine, gelbe Häuschen rechts von der Bahn in Teuringshofen stammt aus dem Jahr 1870 und kann davon mehr als nur eine Geschichte erzählen ...
Hintergrundinfo:
„Mir dädet´s schon no saufa – aber´s Vieh sauft´s nemme“ (Frei übersetzt: Wir würden es schon noch trinken – aber das Vieh säuft es nicht mehr). So oder so ähnlich hat ein Älbler „Schultes“ (Bürgermeister) die Situation der Wasserversorgung der Albhochfläche im 19. Jahrhundert ironisch kommentiert. Denn Wasser war schon immer rar auf der Alb: Der Albkörper aus löchrigem, verkarsteten Kalkgestein lässt fast das gesamte Regenwasser in unerreichbare Tiefen versickern. Nur Zisternen und „Hülen“ (mit Regenwasser gespeiste Teiche) lieferten früher das begehrte Nass. Doch in welcher Qualität! Die braune Brühe war alles andere als appetitlich und wimmelte von Krankheitserregern. Hinzu kam, dass das Wasser in trockenen Sommern nie ausreichte. Trinkwasser musste oft mühevoll und gegen teures Geld mit Pferde- und Ochsenkarren aus den Tälern auf die Hochfläche geschafft werden. Erst mit Einführung der Albwasserversorgung gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Älbler in den Genuss reinen Trinkwassers. Mit Hilfe von Wasserkraft der Albflüsse in den Tälern, wie der Schmiech, konnte Quellwasser auf die Hochflächen gepumpt werden. Eine geniale Ingenieurleistung des Baumeisters Karl von Ehmann, die sogar auf der Wiener Weltausstellung 1873 gezeigt wurde! Das älteste heute noch erhaltene Pumphäuschen ist das kleine, gelbe Häuschen. Es soll uns daran erinnern, dass selbst der schönste Genuss nie selbstverständlich ist. (Wanderungen auf den Spuren der Wasserversorgung: www.schelklingen.de)
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Die Wasserarmut der Albhochfläche zeigt sich auch bei der Eisenbahn: Statt in Münsingen ihr Wasser zu fassen, fuhren die Dampflokomotiven früher häufig wieder hinunter ins Lautertal nach Marbach. Als Leerfahrt sozusagen. Denn hier unten bekam die Bahn – im Gegensatz zu Münsingen – das Wasser umsonst. Schließlich musste ja das Münsinger Wasser via Albwasserversorgung erst hoch gepumpt werden ...
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3. Von Sondernach bis Bahnhof Mehrstetten: Heu- und Schandental: Autofreier Bahngenuss - vielfältige Landschaft.
Das autofreie Heutal hinter Sondernach und das nachfolgende Schandental mit seinen Wacholderheiden: Eine der schönsten Landschaften der Mittleren Alb und Teil eines sich entwickelnden Biosphärengebiets.
Hintergrundinfo:
Das Schandental ist ein Paradebeispiel für eine schöne und vielfältige Landschaft: Buchenwälder an den Hängen wechseln sich ab mit Wacholderheiden, Weidbuchenhainen und mageren Trockenrasen auf felsigen Kuppen. Hunderte von Pflanzenarten kommen hier vor, vom Märzenbecher im Wald bis zur Küchenschelle auf sonnenexponierten, mageren und trockenen Weideflächen. Diese Landschaft ist dem Fluss zu verdanken, der sie geprägt hat. Obwohl er längst im karstigen Kalkuntergrund versickert ist, zeigt die Vielgestaltigkeit der Talformen bis heute die Ergebnisse seiner Arbeit: Steile Prallhänge wechseln sich ab mit sanften Gleithängen. An diesen kleinräumigen Standortwechsel hat sich der Mensch durch seine Nutzungen angepasst: Ackernutzungen finden sich im Bereich fruchtbarer Senken, Weidenutzung und Wald an den Hängen. Bis heute sind hier Schafe die wichtigsten Landschaftspfleger.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Die Bahnstrecke zwischen Sondernach und dem ehemaligen Bahnhof Mehrstetten bedeutete bei einer maximalen Steigung von 1:50 (1 m Höhenunterschied auf 50 m Wegstrecke) für die Heizer der Dampflokomotiven eine besondere Herausforderung. Trotz Höchstleistung des Personals kam es nicht selten vor, dass vor allem schwere Züge wegen Dampfmangels liegen blieben. In der Regel mussten sie deshalb auf Höhe einer alten Blockhütte im Schandental Pause zum „Dampfkochen“ machen. Scherzbolde brachten später ein Stationsschild mit der Aufschrift „Dampfmachhausen“ an dieser Hütte an. Vermutlich durch Brandstiftung brannte die Hütte inzwischen leider ab.
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4. Bahnhof Münsingen: "Genusstor" zum GeoPark und Biosphärengebiet Schwäbische Alb.
Die Mittlere Alb hat viel zu bieten. Zur Erkundung ist der Münsinger Bahnhof mit regionalem Informationszentrum und seiner GeoPark-Infostelle die ideale Ausgangsstation.
Hintergrundinfo:
Ob Landschaftsgenuss zu Fuß, per Rad oder per Kutsche, ob Wanderungen auf eigene Faust oder geführte Erlebnistouren mit den Alb-Guides: Sowohl der Welt-GeoPark wie auch das sich entwickelnde Biosphärengebiet Schwäbische Alb lassen sich von Münsingen aus sehr gut erreichen. Das regionale Informationszentrum Münsinger Bahnhof (www.bahnhof-muensingen.de) bietet interessante Einblicke in die Lebensräume der Schwäbischen Alb: Höhlen, Dolinen, Buchenwälder und Wachholderheiden. Die Ausstellung „Reiseziel Natur“ zeigt Wissenswertes über die Landschaft, die Menschen und die Tier- und Pflanzenwelt. Hinzu kommen Informationen über regionale Köstlichkeiten der ansässigen Gastronomen und Direktvermarkter. Zudem ist der Bahnhof offizielle Infostelle des von der UNESCO anerkannten Nationalen GeoParks Schwäbische Alb. Ein besonderer Genuss: Erkunden des ehemaligen Truppenübungsplatzes mit den speziell ausgebildeten "TrÜP-Guides" oder eine kleine Abkühlung im Freibad Münsingen (weitere Infos: www.muensingen.de).
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Ein besonderes Kleinod beherbergt das Bahnhofsgebäude von Münsingen: Als einziges seiner Art dient ein Kurbelstellwerk aus dem Jahr 1907 noch heute der Sicherung der Weichenverschlüsse. Stellwerke dieser Bauart waren speziell für Nebenbahnen konzipiert und wesentlich billiger als die auf Hauptstrecken gebräuchlichen Hebelstellwerke. Mehrere hundert Bahnhöfe in ganz Süddeutschland verfügten über diese Technik. Das Münsinger Stellwerk ist das einzige, das nach seiner denkmalgerechten Instandsetzung durch den Schwäbische Alb-Bahn e.V. im Jahr 2004 wieder in Betrieb ist. Einzigartig ist auch der Wasserkran direkt am Münsinger Bahnhof: Es handelt sich nicht nur um ein Originalexponat aus württembergischer Produktion, er ist zudem voll funktionsfähig. Die Münsinger Anlage geht auf die Jahre 1901/1902 zurück, wurde aber in der Folgezeit abgebaut. Gemeinsam mit den Münsinger Stadtwerken forschten Mitglieder des Schwäbische Alb-Bahn e.V. nach Teilen zum Wiederaufbau. Nach längerem Suchen entdeckte man schließlich einen originalen württembergischen Wasserkran, baugleich mit dem einstigen Vorbild. Damals wie heute fließt das Wasser mit vollem Druck direkt aus der Hauptwasserleitung der Stadt in die Vorratsbehälter der Lokomotiven.
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5. Bahnhof Marbach: Quellwasser und Pferde: Nur zwei von vielen Genüssen des Lautertals.
Dank zahlreicher Quellen gibt es, im Gegensatz zur Albhochfläche, im tiefer gelegenen Lautertal reichlich Wasser. Es wurde und wird von Pferden genossen, heute vor allem von edlen Arabern einer weltberühmten Zucht, in einem für Deutschland einzigartigen Staatsgestüt. Nicht nur für Pferdefreunde ein Erlebnis!
Hintergrundinfo:
Gleich hinter dem Bahnhof Marbach, nach der Abzweigung ins Lautertal hinein, wird rechter Hand ein erhöht am Hang liegendes großes Gebäude mit einem Uhrentürmchen als Dachreiter sichtbar: Eines der Gebäude des staatseigenen Haupt- und Landgestüts Marbach. Neben Schafen und neuerdings Alb-Büffeln, gehören Pferde zum typischen Landschaftsbild der Schwäbischen Alb. Denn die Kombination von gutem Wasser, gutem Grünfutter aus dem Lautertal, aber auch gutem Raufutter von den Kuppen der Albhochfläche machen diese Region zu einem wahren Pferdeparadies. Wurden sie früher hauptsächlich in der Landwirtschaft und vor allem vom Militär benötigt, so sind sie heute ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des menschlichen Freizeitvergnügens. Finanzkräftige Scheichs aus den ölreichen Emiraten schätzen den Anblick edler Araberhengste aus Marbach genauso wie Mitglieder des britischen Königshauses. Doch die Pferde sind hier für jeden da: Ein Spaziergang durch das 1.000 ha große Gestütsareal ist ein einzigartiges Erlebnis für Pferdefreunde.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Auch im quellenreichen Marbach gab es früher einen Wasserkran für Dampfloks. Für diesen Kran legte die königliche Eisenbahnverwaltung eine bahneigene Wasserversorgung an. Das Wasser wurde aus mehreren kleinen Quellen in einem eigens dafür angelegten Bassin mit unterirdischen Kanälen und Leitungen zum Bahnhof geleitet. Noch heute kann man das Fundament zwischen den Gleisen sehen.
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6. Hinter Marbach, vor Gomadingen: Genuss im Lautertal 2: Wacholder, Gin und Schnecken!
Der edle Wacholder: Immergrün, mythenumrankt, die Landschaft prägend – vor allem auf den Schafweiden des Lautertals. Wacholder „kann“ aber noch viel mehr, als einfach schön auszusehen.
Hintergrundinfo:
Wacholderbeeren kennt jeder, zumindest vom Sauerkraut. Dass der deutsche Steinhäger oder britischer Gin aus Wacholder gebrannt werden, ist schon weniger bekannt. Wer aber hat schon mal einen Wacholderkäse probiert? Dass es im Lautertal noch so viel Wacholder gibt, ist übrigens den zahlreichen Schafen zu verdanken – dazu mehr bei Station 3. Doch das zahlenmäßig wichtigste „Nutztier“ der Alb ist ein ganz anderes: Die Weinbergschnecke! Von Natur aus kommt sie gerne in halboffenen, sonnenexponierten Hanglagen vor und hat in den Wacholderheiden ein zweites Zuhause gefunden. Hier auf der Alb gibt es auch den Rohstoff für ihr Häuschen im Überfluss: den Kalk. Als geschätzte Delikatesse war und ist der „Albschneck“ vor allem in katholischen Gegenden als Fastenspeise sehr beliebt. Gute Voraussetzungen also für ein innovatives Nebenerwerbs-Geschäftsfeld einiger zwar armer, aber pfiffiger Bauern aus dem Lautertal: Die Schneckenmast. Seit dem 18. Jahrhundert wurden in jedem Frühsommer Schnecken auf der Alb und im Albvorland gesammelt und ins Lautertal gebracht, in eingezäunte und mit Moos ausgelegte, spezielle Schneckengärten. Bis zum Spätherbst fraßen sich die Schnecken mit Gemüseabfällen fett und deckelten sich dann ein. Nach deren „Ernte“ wurden sie tausendfach in Fässer gefüllt, auf Wagen nach Ulm gefahren und von dort auf Flößen donauabwärts bis nach Wien gefahren und später auch mit der Eisenbahn bis nach Frankreich und in die Schweiz exportiert. Die seit 2004 aktive Interessengemeinschaft Albschneck® hat sich zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Schneckenproduktion auf der Schwäbischen Alb wieder zu beleben und der Schnecke in Gastronomie und Tourismus einen Platz zu erobern. www.albschneck.de
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Gleich hinter dem Bahnhof von Gomadingen quert die Bahn eine Schranke der besonderen Art: Es ist eine der beiden letzten in Württemberg noch vorhandenen mechanischen Anlagen. Anders als bei elektrisch angetriebenen Schrankenbäumen erfolgt hier das Öffnen und Schließen der Schlagbäume allein durch Muskelkraft: „Schaffner“ kommt von „schaffa!“ (= „arbeiten“, eines der wichtigsten schwäbischen Wörter!). Als der Bahnhof 1970 geschlossen wurde, hat man die Winden vom Bahnsteig an den Bahnübergang versetzt. Vor jeder Fahrt eines Zuges über den Bahnübergang muss nun das Zugpersonal zur Freude der Fahrgäste die Schranken herunter- und danach wieder hinaufkurbeln.
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7. Zwischen Gomadingen und Offenhausen: Einfach mal Ruhe genießen!
Um den Sternberg herum macht die Lauter und damit auch die Bahnlinie einen großen Bogen. Zeit, um sich einzustimmen auf einen beschaulichen Ort: Den früheren Garten eines ehemaligen Klosters. Der Garten mit einer großen Quelle spendet äußere Ruhe und lässt den Besucher seine innere finden ...
Hintergrundinfo:
Irgendwie passt sie nicht hierher, die große Kirche. Heute beherbergt sie das Gestütsmuseum, denn sie und der angrenzende Hof gehören zum Haupt- und Landgestüt Marbach. Ihre Größe zeigt ihre einstmalige Bedeutung: Noch im 16. Jahrhundert war sie die Kirche eines Dominikanerinnenklosters. Warum sich die Nonnen hier angesiedelt haben, wird nach einem Besuch des Klostergartens klar: Wegen des Wassers! Denn hier hat die Lauter, deren Tal die Bahn seit Marbach gefolgt ist, ihre Hauptquelle. Talaufwärts ist das Tal meistens trocken: Das Wasser versickert in den Hohlräumen des Untergrunds der Schwäbischen Alb. Die friedliche Atmosphäre des mit einer Mauer umfriedeten Klostergartens lässt den Besucher zur Ruhe kommen. Übrigens: Die Quelle der Lauter ist so kräftig, dass ihr Wasser bereits wenige Meter nach ihrem Entspringen ein Wasserkraftwerk antreiben konnte. Das ehemalige Wasserkraftwerk des Gestüts liegt auf der anderen Seite der Mauer beim Bahnübergang und wurde 2006 wieder in Betrieb gesetzt.
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8. Bahnhof Kohlstetten: Holzgenuss auf vielfältige Art!
Schon bemerkt? Immer wieder ist der Zug an Buchenwäldern vorbeigefahren. In Kohlstetten ist nicht nur der Bahnhof aus Holz, auch die Sägerei weist auf die Bedeutung der Holzwirtschaft hin. Doch bereits der Ortsname zeigt, dass Holz mehr ist als nur Bretter.
Hintergrundinfo:
Bereits der Ortsname „Kohlstetten“ weist auf die große Bedeutung eines heute selten gewordenen Berufszweiges hin: die Köhlerei. Dabei waren es gerade die Buchenwälder der Schwäbischen Alb, die für die Alb-Köhler früher eine besonders wichtige Grundlage bildeten. Weithin rauchten ihre Meiler und brachten ein Produkt hervor, ohne dass die Eisen-, aber auch die Glasherstellung früher kaum denkbar gewesen wäre: die Holzkohle. Auch heute noch ist ihre ganz besondere Holzkohle gefragt, wenn auch „nur“ noch bei Grillspezialisten. Das ist vielleicht gut so, denn einige Buchen von der Alb sind eine Besonderheit und zu schade zum Verbrennen. Sie besitzen ein ganz besonders schönes, rotkerniges Holz und werden zu regionalen Produkten verarbeitet – zum Beispiel zu Schränken, Tischen oder Stühlen, wie sie von Kennern individuell gefertigter Möbel weithin geschätzt werden (www.kerniges-holz.de)
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Auch dem „Nicht-Kenner“ ist es schon aufgefallen: Alle historischen Bahnhofsgebäude entlang der Bahnstrecke sind sich sehr ähnlich. Aus Holz mit Verzierungselementen, die an Alpenhäuser erinnern. Kein Wunder: Als typisch schwäbisches Unternehmen waren die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen sehr darauf bedacht, die Kosten für die Gebäude durch Normierung möglichst gering zu halten. Für Bahnhöfe gab es sogar einen regelrechten Katalog, aus dem je nach Verkehrsbedeutung der Stationen die Größe des Gebäudes bemessen wurde. Dem damaligen Geschmack entsprechend, wurden sie im schweizerischen Chalet-Stil „designt“. Eine Seltenheit ist, dass, wie im Fall der Schwäbischen Alb-Bahn, sämtliche an einer Strecke gebauten Empfangsgebäude erhalten geblieben sind!
9. Zwischen Klein- und Großengstingen: Zwischen "Lutherischen" und Katholiken: eine Genussgrenze?
An der „Fasnet“, der schwäbischen Fasnachtszeit, wird es besonders deutlich: Das katholische Großengstingen geht fast unter im Fahnen- und Hexenschmuck. Im protestantischen Kleinengstingen dagegen ist kaum etwas zu sehen. Doch ist diese Konfessionsgrenze auch eine Genussgrenze?
Hintergrundinfo:
Bei der Fasnet lässt sich darüber streiten: Für den einen ist das närrische Treiben ein Muss, für den anderen ein Gräuel. Auch bei den „katholischen“ Schnecken (siehe Station 6) gehen die Meinungen, ihren Genusswert betreffend, heutzutage über alle Konfessionsgrenzen hinweg auseinander. Doch bis vor kurzem erzählten alte Bauernknechte davon, dass sie sich lieber im Katholischen verdingt hätten: Da hätten sie besseres Essen bekommen. Heutzutage freuen sich manche Geschäftsleute über Aufträge aus dem katholischen Teil ganz besonders: Hier würden sie von den Bürgermeistern immer zum Essen eingeladen. Subjektive Urteile? Gewiss. Aber vielleicht ist ja doch was dran, an der Genussgrenze: Denn schließlich geht die katholische Alb nach Süden hin allmählich in das barocke und als genussfreudig weithin bekannte Oberschwaben über. Sichtbar ist die noch heute wirksame Grenze zwischen Protestanten und Katholiken übrigens auch an den plötzlich erscheinenden Wegkreuzen.
Eisenbahn-Nostalgie-Ecke:
Wer heute in Kleinengstingen aus dem Zug steigt und vor dem Lebensmittelmarkt steht, kann kaum noch ahnen, dass bis 1969 hier der schönste Teil der Reise erst begann: Die Talfahrt mit der berühmten Zahnradbahn den Albtrauf steil nach Honau hinunter. Und das unter der überragenden Silhouette des Märchenschlosses Lichtenstein ... Ein Erlebnis, das am Fuße der Alb, im 1892 erbauten Bahnhof Honau, vielleicht wieder ein Stück Wirklichkeit werden könnte. Das völlig verwahrloste Empfangsgebäude konnte in letzter Minute gerettet werden und strahlt in neuem Glanz: Das Honauer Zahnradbahnmuseum ist im Aufbau. Übrigens: Eine der ehemaligen Zahnraddampfloks, die 97 501 befindet sich in Aufarbeitung zum betriebsfähigen Einsatz ... (www.zhl.de und www.foerderverein-bahnhof-honau.de )
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10. Neuer Haltepunkt Trochtelfingen - ALB-GOLD: Ein "Genusszentrum" mitten auf der Alb!
Ein Haltepunkt mitten in der freien Landschaft? Ein Genusszentrum der besonderen Art muss der Bahn schließlich auch einen Stopp wert sein. Wenn der Spaziergang dorthin schon etwas Besonderes ist.
Hintergrundinfo:
Der Spaziergang zum Kundenzentrum der Fa. ALB-GOLD führt auf den Grund des längst vergangenen Jurameeres. Auch hier zeigt das Meer noch seine Spuren. Das Magnesium des Meerwassers hat in diesem Landschaftsteil zur Entstehung eines besonderen Albgesteins geführt. Nicht der „normale“ Kalk, sondern Dolomit steht hier an. Er verwittert nicht zu Gesteinsscherben wie der Kalk, sondern zu Sand. Besondere Pflanzen- und Tierarten kommen hier genauso vor wie historische Kleindenkmale: Trichterförmige Gruben zeigen, dass früher Dolomitsand gegraben wurde. Benötigt wurde er zum Bauen und zum Putzen der verbreiteten Holzböden. Denn schließlich gibt es auf der ansonsten von Kalk dominierten Alb nur in den Dolomitgebieten reichlich Sand. Landwirtschaftlich gesehen aber gehörten die „Sandgebiete“ zu den ärmsten Teilen der Alb. Einen größeren Kontrast zum heutigen ALB-GOLD Kundenzentrum kann man sich daher kaum vorstellen. Gleich mehrere Erlebnisbereiche rund um das Thema „Ernährung“ bieten heute Genüsse für die ganze Familie. Einen Landmarkt mit einem über einhundert Nudelsorten umfassenden „Nudel-Schlaraffenland“ und unzählige Angebote vieler regionaler Erzeuger, vom Alb-Käs’ bis zum Zwetschgenwasser. Das ALB-GOLD Kochstudio mit Kochkursen, Koch-Shows und Tipps zur gesunden Ernährung im Alltag. Die Gläserne Nudelproduktion, und der ALB-GOLD Kräuter- und Erlebnisgarten. Und schließlich das Restaurant SONNE mit regionalen Gerichten der Saison.
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11. Bahnhof Trochtelfingen: Vom Biergenuss an der Albquelle zum Mittelaltergenuss in der Altstadt.
Nach der „Durststrecke“ über die trockene Albhochfläche kommt die direkt neben dem Bahnhof liegende Albquell-Brauerei mit ihrer Gaststätte gerade richtig. Vielleicht auch als Ausgangspunkt für die Erkundung von Trochtelfingens schöner Altstadt?
Hintergrundinfo:
Der Begriff „Albquelle“ passt gleich doppelt: Zum einen für das Bier der Brauerei, zum anderen für das Wasser. Denn hier gibt es wieder zahlreiche Quellen: Wie zuvor schon im Lautertal, so tritt auch im Seckachtal das Karstwasser der Schwäbischen Alb an die Erdoberfläche. Nach der langen Fahrt durch die Trockentäler der Albhochfläche also gleich ein doppelter Genuss! Der sich nur noch durch einen Spaziergang durch die noch zum Teil mittelalterliche Altstadt von Trochtelfingen übertrumpfen lässt.
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12. Bahnhof Gammertingen: Willkommen in Hohenzollern!
(Von Gammertingen aus bringen Sie die Züge der HzL nach Hechingen (täglich, dort Anschluss in Richtung Tübingen - Reutlingen) und nach Sigmaringen (von wenigen Ausnahmen abgesehen nur Mo-Fr). An Sonn- und Feiertagen vom 1. Mai bis zum 17. Oktober fährt zusätzlich der Rad-Wander-Shuttle in die Richtungen Sigmaringen, Tübingen und Kleinengstingen. Mit dem Bus kommen Sie täglich mit der Linie 400 nach Reutlingen und am Wochenende mit der Linie 9 nach Sigmaringen.)
Nach 63 Kilometern Nebenbahnromantik ist mit Gammertingen die letzte Station der Schwäbischen Alb-Bahn erreicht, die zugleich betrieblicher Mittelpunkt der unter preußischer Verwaltung gegründeten Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) ist.
Hintergrundinfo:
Hier treffen die Strecken aus Hechingen und Sigmaringen auf den Schienenstrang aus dem Württembergischen. Am einzigen Bahnknotenpunkt auf der Alb wird heute der umfassende Personen- und Güterverkehr der HzL zwischen Tübingen und Ulm mit großem Erfolg gemanagt. Eine der modernsten Bahnwerkstätten in Deutschland beherbergt die große Flotte der neuerdings sogar mit Rapsöl angetriebenen RegioShuttle-Triebwagen der Landesbahn. Das historische Hebelstellwerk wurde in den letzten Jahren durch eine elektronische Streckensicherung auf den neuesten Stand gebracht. Unverändert ist dagegen bis heute die Amtshandlung geblieben, wenn ein Zug den Bahnhof Gammertingen verlässt: Mit roter Mütze und grünem Befehlstab tritt der Fahrdienstleiter vor das Stellwerk und erteilt den Auftrag zur nächsten Fahrt.
Ob Beginn der Rückfahrt oder Start der Reise in umgekehrter Reihenfolge: Wir freuen uns auf viele Fahrgäste, wenn es heißt: „Zur Schwäbischen Alb-Bahn bitte einsteigen!“
Gerne schicken wir Ihnen die Zugtour als Broschüre zu! Einfach eine E-Mail an verkehrsverbund@naldo.de schicken.




















