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Die Ermstalbahn-Zugtour: Bekannte Kulissen aus neuer Perspektive!

Startpunkt Reutlingen, Endpunkt Bad Urach 

Freizeitkarte F524 Bad Urach 1:50.000 (hier online bestellen)

 

Zugfahrer kennen das: Eigentlich könnte man lesen. Oder Radio hören. Aber irgendwie hat man dazu keine richtige Lust. Allzu oft wandern die Augen zum Fenster und werden abgelenkt. Durch die Landschaft, die während der Fahrt an einem „vorbeizufahren“ scheint. Wie in einem Film. Die Bahnstrecke Reutlingen – Metzingen – Bad Urach führt entlang des Weltgeoparks Schwäbische Alb. Damit wird dieser erste Filmgenuss zur Reise in die Erd- und Landschaftsgeschichte dieser Region. Machen Sie sich bereit! Es geht los!


Doch Vorsicht! Die Szenerie wechselt: Mal spielen die Filmszenen in Fahrtrichtung auf der rechten, mal auf der linken Seite! Wo und wann die Stationen entlang der Zugstrecke auftauchen, können Sie dieser Karte (pdf) entnehmen.

 

P.S.: die Ermstalbahn startet  im Stundentakt (auch am Wochenende, aber dann alle 2 Stunden  mit Umsteigen in Metzingen) von Reutlingen aus nach Bad Urach und der Reutlinger Bahnhof ist mit dem Zug aus Richtung Tübingen, Rottenburg, Herrenberg und Metzingen problemlos erreichbar. Auch die Busse des Reutlinger Stadtverkehrs bringen Sie zum Startpunkt.

 

1. Bahnhof Reutlingen

2. Achalm

3. Bahnhof Metzingen

4. Dettingen Mitte & Freibad

5. Bad Urach: Kurgebiet und Wasserfall

6. Bad Urach Bahnhof




Bahnhof Reutlingen

1. Bahnhof Reutlingen: Auf Meeresgrund erbaut

Hätten Sie es gedacht? Teile des Bahnhofsbereichs von Reutlingen liegen auf Meeresgrund! Die Bahnreisenden sind umringt von Tausenden von Meeresbewohnern, darunter Ammoniten! Doch keine Angst: Die Tiere sind rund 180 Millionen Jahre alt und längst versteinert …

 

Hintergrundinfo:

Gleich angrenzend an den Bahnhof, im Einschnitt Richtung Metzingen – Bad Urach, fährt der Zug auf den ältesten Überresten des Jurameeres. Nach ihrer dunklen Gesteinsfarbe werden sie „Schwarzer Jura“ genannt. Entstanden ist diese aus Resten unzähliger Meeresbewohner. Aufgrund der Sauerstoffarmut des Meeres wurden diese nicht wie üblich zersetzt, sondern blieben als Fossilien erhalten. Und zwar in ungeheuren Mengen. Bereits beim Bau des Reutlinger Bahnhofsbereichs im 19. Jahrhundert wurden unzählige dieser Fossilien geborgen.

Viele Naturkundemuseen besitzen heute noch Exemplare davon. Ähnlich wie bei der Entstehung von Erdöl reicherten sich durch die Sauerstoffarmut auch im Schwarzen Jura Kohlenwasserstoffe an. Kein Wunder also, dass auch ein Vorläufer des Erdöls aus Reutlingen stammt: das „Schieferöl“. Noch heute gewinnt das Zementwerk in Dotternhausen einen großen Teil seiner Energie aus den „brennenden Steinen“ seines „Ölschiefer“-Kraftwerks.

 

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2. Zwischen Metzingen und Reutlingen: Achalm – ein Berg sagt aus …

… und wird damit zum Zeugenberg. Er be„zeugt“, dass die Schwäbische Alb einmal bis hierher gereicht hat. Denn er besitzt den gleichen Gesteinsaufbau wie der heute ca. 2 km hinter ihm liegende Albrand, der Albtrauf, weithin erkennbar an seinen weißen Felsen. Immer wieder ist die Achalm kurz zu sehen, am besten zwischen Reutlingen und Metzingen.

 

Hintergrundinfo:

Das Aussehen der Achalm verrät dem kundigen Filmbetrachter ihre Entstehung: Markant hebt sich der Gipfel vom „Restberg“ ab. Wahrscheinlich wussten die Herren von Achalm gar nicht, dass sie ihre Burg auf die Spitze eines früheren Meeresriffs setzten. Noch heute gekrönt von ihrer Ruine. Ein idealer Burgenstandort! Denn die früheren Riffe des Jurameers widerstanden der Abtragung besonders gut und wurden deshalb im Laufe der Jahrmillionen herauspräpariert.

Und welcher Skifahrer auf der Schwäbischen Alb ahnt schon, wem er sein heutiges Vergnügen zu verdanken hat? Meeresbewohnern wie Schwämmen und Algen! Sie waren es nämlich, die vor ungefähr 150 Millionen Jahren auf die Idee kamen, genau an der Stelle des heutigen Skihangs ein Riff zu bauen. Die Riffe bilden den Abschluss des Jurameers. „Kurz“ nach ihrer Bildung, vor rund 140 Millionen Jahren, zog sich das Meer zurück und die Alb wurde zum Festland. Nach der weißen Farbe ihres Kalkgesteins wird dieser jüngste Teil der Gesteinsbildungen des einstigen Jurameers „Weißer Jura“ genannt.

 

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3. Metzingen Bahnhof: Schwäbische Vulkanschlote - Explosiv und geizig …

… zumindest vor etwas mehr als 15 Millionen Jahren. Denn Lava spuckten sie nicht. Dafür beschenken manche von ihnen heute die Schwaben mit einem besonders guten Wein. Wie beliebt der Wein vom Metzinger Weinberg (der Berg gleich am Bahnhof) bereits in früheren Jahrhunderten war, zeigen die zahlreichen Weinpressen (7 Keltern) dieser Stadt …


 

Hintergrundinfo:

Fast 400 Vulkanschlote machten den Nordrand der Schwäbischen Alb vor etwas mehr als 15 Millionen Jahren zum „heißen Pflaster“: Flüssige Lava trat zwar keine aus. Aber der „Schwäbische Vulkan“ schleuderte mit enormen Explosionen Gesteinsmaterial in die Höhe, das anschließend wieder in seine Schlote zurückfiel. Dieses Gestein, der Basalttuff, ist längst erkaltet. Trotzdem hat dieser für das Albvorland und die Albhochfläche eine große Bedeutung, denn er speichert Wasser, Mangelware in beiden Landschaften, in denen sich wenig Grundwasser bildet bzw. das Wasser versickert.

Kein Wunder also, dass der Mensch gerne Vulkane besiedelt hat: Beispielsweise können Sie sowohl in Grafenberg (Albvorland) als auch im Bad Uracher Teilort Hengen (Albhochfläche) „auf dem Vulkan tanzen“. Dazu passt ein „Basalttuff“ – oder ein „Braunjura-Sylvaner“ zur Erfrischung. Obwohl die Gesteine des Braunen Jura rund 140 Millionen Jahre älter sind als der Basalttuff: Beide liefern hervorragende Böden für den Weinbau. Sie sind reich an Tonmineralien und speichern durch ihre dunkle Farbe die Sonnenwärme. Aber: Trotz der Ähnlichkeit der beiden Gesteine schwört so mancher Weingärtner auf den kleinen Geschmacksunterschied …

 

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4. Dettingen Mitte und Freibad: „Mahscht Moscht – mahscht mi“ - Mit Streuobstwiesen Landschaften lesen

Das schwäbische Sprichwort „Magst du Most, so magst du auch mich“ beweist: Liebe geht auch hier durch den Magen. Wichtige Grundlage für das schwäbische Nationalgetränk sind Streuobstwiesen. Wieder einmal leistet die Erdgeschichte einen entscheidenden Beitrag dafür, dass wir heute dieses Getränk im Albvorland genießen können …

 

Hintergrundinfo:

Besonders guter Most kommt aus dem Albvorland, einem der größten Streuobst-Anbaugebiete Deutschlands. Hier wachsen traditionelle, geschmackvolle Apfel-, Birnen- und andere Obstsorten. Und hier weiß man seit Langem, wie man guten Most macht. Kein Wunder, denn zum Streuobstbau gab es früher wenig Alternativen: Auf den buckligen, krummen, mal trockenen, mal nassen, rutschenden Böden ist Ackerbau oder eine andere landwirtschaftliche Nutzung nur schwer möglich. Auch hier ist die Landschaft wie ein Buch „lesbar“. Denn über die Böden „paust“ die Landnutzung das darunter liegende Gestein durch. Die leicht quellenden tonreichen Gesteine des mittleren Teils der Jurameer-Ablagerungen („Brauner Jura“) erschweren den Ackerbau und begünstigen die Streuobstwiesennutzung. Die verstreut stehenden Obstbäume des Albvorlandes (daher die Bezeichnung „Streuobstwiese“) sind ein europaweit bedeutsamer Lebensraum für viele seltene Tier-, besonders Vogelarten. Dank regionaler Förderinitiativen wie PLENUM und REGIONEN AKTIV konnten wichtige Impulse für einen nachhaltigen „Schutz durch Nutzung“ dieser einzigartigen Lebensräume gesetzt werden: Traditionelle wie neue regionale Produkte werden entwickelt und vermarktet. Die Palette reicht vom Most über Obstessig bis hin zum Cidre. Nicht nur bei den Streuobstwiesen zeigt sich: Durch intelligenten Naturschutz können sogar Arbeitsplätze entstehen!

 

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5. Bad Urach: Kurgebiet und Wasserfall - Voller Geheimnisse und Geschichten: der Runde Berg

Heute ist er ringsum von Wald bedeckt: der Runde Berg. Kaum zu glauben, dass er früher einmal dicht von Menschen besiedelt war, viel früher noch als das Tal mit der heutigen Stadt Bad Urach …

 

Hintergrundinfo:

Einen wunderbaren Schutz vor Feinden bietet er, der Runde Berg: Als „Beinahe-Zeugenberg“ ist er nur noch über einen schmalen „Steg“ mit dem hinter ihm liegenden Hauptkörper der Schwäbischen Alb verbunden. Dazu kommt ein für Siedlungszwecke wunderbar geeignetes, flaches Plateau im Gipfelbereich. Kein Wunder also, dass die Menschen ihn in unruhigen Zeiten immer wieder mal besiedelt haben? Ein wenig schon, denn was hier oben nicht einfach zu beschaffen ist, ist Wasser: Schließlich sind wir hier oben bereits in den Kalken des Weißen Jura, dem mit rund 150 Millionen Jahren jüngsten Teil der Ablagerungen des Jurameeres.

 

Dieser Kalk ist voller Klüfte und Spalten, in denen das Wasser weit nach unten versickert. Mit Ausnahme weniger Stellen (z. B. Vulkane) findet man daher auf der Albhochfläche weder Quellen noch Seen oder Flüsse. Vielleicht holten die früheren Bewohner des Runden Berges, Kelten und Alemannen, ihr Wasser u. a. von den Quellen oberhalb des nahe gelegenen Uracher Wasserfalls. Das war einfacher als heute, denn einen Wasserfall wie heute gab es damals gar nicht. Warum nicht und was das mit den Gebäuden der Stadt Bad Urach zu tun hat, das ist eine andere Geschichte.

 

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6. Bad Urach Bahnhof: Bad Urach – Tor in den Weltgeopark Schwäbische Alb

Hier gibt es besondere Steine, hier ist es im Untergrund besonders heiß und hier gibt es schönes Holz. Doch für einen Besuch von Bad Urach sprechen mehr als nur diese drei Gründe …

 

Hintergrundinfo:

Der Blick aus dem Zug fällt auf das früher als Bahnhof genutzte Natursteingebäude. Wie viele historische Häuser der Stadt ist es aus Kalktuff (Travertin) gebaut. An manchen Stellen entsteht dieser Stein noch heute. Aus Wasser! Zum Beispiel am Uracher Wasserfall. Diesen Wasserfall gibt es nur deshalb, weil es hier eine 37 Meter hohe, steile Wand gibt. Keine „Naturwand“, sondern eine vom Menschen geschaffene Abbauwand eines längst aufgegebenen Kalktuff-Steinbruchs!

 

Sie würden es beim Aussteigen aus dem Zug nicht spüren. Erst eine Reise in das Innere der Erde würde Ihnen beweisen: Unter Bad Urach wird es schneller heiß als anderswo. „Schuld“ daran sind wahrscheinlich als „Kälteisolation“ im Untergrund wirkende tonreiche Schwarz- und Braunjura-Schichten. Schon heute wird das heiße Tiefenwasser genutzt, zum Beispiel für die Albthermen. Die Nutzung dieser „sanften“ Energie soll aber noch weiter ausgebaut werden, vielleicht sogar zur Stromgewinnung! Die Hangbuchenwälder auf den Weißjuraschichten entlang des Albtraufs haben für den Natur- und Artenschutz europäische Bedeutung. Einige der hier wachsenden Buchen besitzen ein ganz besonders schönes, rotkerniges Holz. Dank PLENUM und REGIONEN AKTIV wird es zu regionalen Produkten verarbeitet. Zum Beispiel zu Möbeln, wie sie kaum einer hat…

 

Die Rückfahrt? Kein Problem: Der Bahnhof Bad Urach wird stündlich von den Zügen der Ermstalbahn bedient. Zusätzlich fahren von dort die Buslinien 173, 7640, 7643, 7645 und 7646 ab.

 

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Die Zugtour Ermstalbahn wurde freundlicherweise finanziell von REGIONEN AKTIV unterstützt.

 

Gerne schicken wir Ihnen die Zugtour als Broschüre zu! Einfach eine E-Mail an verkehrsverbund@naldo.de schicken.



Fahrplanauskunft
Hinfahrt zum Startpunkt Hauptbahnhof Reutlingen
Rückfahrt vom Endpunkt Bahnhaltepunkt Bad Urach Bahnhof
Datum
(TT|MM|JJ)
Stadt / Ort
Uhrzeit
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