Startpunkt Gammertingen, Endpunkt Sigmaringen
25 Kilometer
Radtour
Freizeitkarte F526 Sigmaringen 1:50.000 (hier online bestellen)
Diese geologische Rad-Thementour führt von Gammertingen über Veringenstadt bis nach Sigmaringen. Zu entdecken gibt es Karstphänomene und Quellen, Riffe und fossile Meeresküsten aus der Jurazeit und Einblicke in die Zeit, als im Urdonautal noch gewaltige Wassermassen schwappten! Zu bewältigen ist die Tour auch gut mit Kindern.
![]() Bahnhof Gammertingen | |
![]() Hettingen |
Tourbeschreibung:
Start ist in Gammertingen. Der Bahnhof Gammertingen wird von den HzL-Zügen der Linie Hechingen – Gammertingen – Sigmaringen ganzjährig von Montag bis Sonntag angefahren. An Sonn- und Feiertagen vom 1. Mai bis zum 16. Oktober kann man ihn zudem je einmal täglich mit dem Rad-Wander-Shuttle aus den Richtungen Tübingen – Hechingen und Kleinengstingen erreichen. Zusätzlich besteht an diesen Tagen bei einzelnen Fahrten der Buslinie 400 Reutlingen – Gammertingen eine Fahrradmitnahmemöglichkeit. Vom Bahnhof geht es Richtung Kirche und von dort stadtauswärts. Unten beim Flüsschen Lauchert stößt man schon auf die Wegmarkierung des Laucherttal-Radwegs in Richtung Sigmaringen. Erste Station auf dem Weg ist Hettingen mit einem schönen Spiel- und Rastplatz (plus Bolzplatz!) am Ortsausgang.
Weiter führt der Weg parallel zur Eisenbahnstrecke nach Hermentingen (Spielplatz in Bahnhofsnähe). Der Ort ist eine alemanische Gründung und war im Hochmittelalter im Besitz der Grafen von Achalm. Geologisch interessant ist die Informationstafel „Bäume aus der Urzeit„ hinter dem Bahnhof. Hier stehen auch gleich zwei Bäume, die als lebende Fossilien gelten, weil sie ihr Aussehen seit vielen Millionen von Jahren nicht verändert haben: ein Gingko-Baum (der übrigens links steht und nicht, wie auf der Tafel angegeben, rechts!) und eine Metasequoia (Mammutbaum).
Nächste geologische Attraktion am Wegesrand ist die Gallusquelle am Ortsende. Diese größte Quelle von Hohenzollern ist eine der bedeutendsten Karstquellen in Deutschland. Die Austrittsstelle liegt im Kreuzungsbereich geologischer Störungssysteme (Lauchertgraben und Hohenzollerngraben). Sie hat ein unterirdisches Einzugsgebiet von 40 – 45 km² und tritt in den eiszeitlichen Talablagerungen aus. Im unmittelbar neben der heutigen Quellfassung gelegenen ehemaligen Backhäuschen hat die Landesanstalt für Umweltschutz eine Messapparatur zur Bestimmung der Rohwassergüte unterbracht. Knapp 50.000 Menschen versorgt diese Quelle mit Trinkwasser!
![]() Göpfelsteinhöhle | |
![]() Uferlehrpfad |
Zurück auf den Laucherttal-Radweg und weiter nach Veringenstadt! (Achtung: Vor Veringenstadt muss man kurz absteigen, um die Eisenbahn zu unterqueren.) Zeit für die erste kleine Verschnaufpause, also Fahrräder abstellen und sich in aller Ruhe umschauen! Zu sehen gibt es in der Mittelalterstadt einiges. Zum Beispiel die Göpfelsteinhöhle (60.000 Jahre alte Siedlungsspuren) oder die Nikolaushöhle, in der Knochen von Höhlenbären entdeckt wurden. Lohnenswert ist auch der Besuch im kleinen Heimatmuseum Veringenstadt mit den urgeschichtlichen Funden aus der Umgebung oder ein Spaziergang auf dem Uferlehrpfad „Lebendige Lauchert„.
Nun ist es nicht mehr weit bis nach Sigmaringen. Rauf aufs Rad und den Schildern folgen. Der Radweg führt an der Bahnlinie entlang und an einem „Insektenhotel„ vorbei. Was das ist? Totholznistplätze! In Veringendorf folgt man der Ausschilderung nach links (Fußgängerbahnübergang) und quert erst die Königstraße, dann die Lauchert. Danach geht es weiter in Richtung Jungnau (Hinweistafel: Feuchtbiotop „Unter dem Eck„).
Der alte Radweg führt über die Straße „Am Schlossgarten„ nach Jungnau. Über den Bahnübergang und die Bruckstraße bis zur B-32 (Sigmaringer Straße), nach dem Überqueren auf die Paradiesgasse. Jungnau verlässt man dann auf der links abbiegenden, steil ansteigenden Scheibenbergstraße, die dem Verlauf einer alten Römerstraße folgt. Und was sich nun erschließt, ist ein wunderschöner Rundblick auf das weite Tal bei Jungnau! Geologischer Background: Dieses Tal ist viel zu groß, als dass es die heutige Lauchert hätte schaffen können. Im Verlauf der rißzeitlichen Vereisungen vor über 120.000 Jahren verlegte die Urdonau ihren Lauf ab Sigmaringen nach Norden, floß über Hornstein und Hitzkofen und erreichte bei Heudorf wieder das heutige Tal. Während des Eishöchststands bildete sich ein Eisstausee aus, der das gesamte heutige Laucherttal bis über Veringenstadt hinaus ausfüllte. Als die Donau nach dem Abschmelzen der Eismassen ihren Lauf nach Süden in das heutige Tal verlagerte, wurde das Urdonautal von der heutigen Lauchert eingenommen.
Der Weg führt dann am Waldrand entlang und durch Waldgebiete, wobei noch einige kleinere Steigungen zu meistern sind. Schließlich unterquert man die B 463 und fährt zum Nollhof hinunter. Dort kann man in den Feldern noch gelegentlich Seeigel und Muscheln finden, die dort im Küstenbereich eines warmen Meeres gegen Ende des Oberjuras vor etwa 145 Millionen Jahren abgelagert wurden.
![]() Schloss Sigmaringen Südansicht |
Und nun geht es auf der letzten Etappe nach Sigmaringen! Die malerische Altstadt hat sich um das Schloss herum entwickelt, welches über den Dächern der Stadt auf einem aus dem Donautal steil aufragenden Felsen aus Oberjurakalken errichtet wurde. Es handelt sich hierbei um einen ehemaligen Umlaufberg der Urdonau (damit bezeichnet man einen Berg, der durch einen Flussmäander von seinem Hinterland nahezu vollständig abgeschnürt ist). Geologisch gesehen befinden wir uns hier am Südrand der Schwäbischen Alb, der an dieser Stelle beim Höchststand des quartären Eiszeitalters noch vom Rheingletscher überfahren wurde. So, und jetzt: Runter vom Fahrrad und hinein in eins der gemütlichen Altstadtcafés, wo man sich mit einem ganz neuzeitlichen kühlen Schorle belohnen kann! Vom Bahnhof Sigmaringen kommt man mit dem Zug in alle Richtungen heim.
Die Stein-Land-Fluß-Tour wurde mit tatkräftiger Unterstützung des BUND Neckar-Alb (Regionalgeschäftsstelle, Kronenstr.4, 72070 Tübingen, Tel. 07071 / 943885) erstellt. Herzlichen Dank!
















