Startpunkt Metzingen, Endpunkt Bad Urach
16 Kilometer
Freizeitkarte F524 Bad Urach 1:50.000 (hier online bestellen)
Nicht nur für explosive Gemüter eignet sich die geologische Vulkantour von Metzingen nach Bad Urach. Ein bisschen Kondition sollte man allerdings mitbringen, wenn man sich auf die Entdeckungstour zum Vulkanschlot Jusi und aufs Hörnle begibt. 16 Kilometer sind zu bewältigen. Für Familien mit Kindern bietet es sich an, die eine oder andere Abkürzung zu nehmen.
Tourbeschreibung:
Über 300 Vulkanschlote finden sich zwischen Bad Urach und Kirchheim. Zum Teil sind sie als Erhebungen in der Landschaft erkennbar (so zum Beispiel der Jusi, der Floriansberg, der Grafenberg, der Georgenberg, Limburg und Calverbühl), gelegentlich sind sie als trichterförmige Vertiefungen, sogenannte „Maare„, erhalten (z. B. Randecker Maar). Andere wiederum sind nur mit wissenschaftlichen Methoden im Untergrund nachweisbar (Geomagnetik). Was sie alle gemeinsam haben? Nun, sie waren vor etwa 16 bis 20 Millionen Jahren aktiv und gelten heute als erloschen. Letzte Zeugen dieser vulkanischen Tätigkeit sind die zahlreichen Mineral- und Thermalwasservorkommen, zum Beispiel in Bad Urach.
![]() Metzinger Weinberge |
Schon bei der Ankunft am Bahnhof Metzingen (der Bahnhof wird jeweils mindestens einmal stündlich von den RE Zügen Stuttgart – Reutlingen – Tübingen, den RB-Zügen Plochingen – Reutlingen – Tübingen – Herrenberg und den RB-Zügen der Ermstalbahn Bad Urach – Reutlingen ( – Tübingen – Herrenberg) angefahren) wartet die erste geologische Attraktion in Sichtweite. Teile des Bahnhofsgebäudes und auch des daneben liegenden Postamtes sind aus „Süßwassertuff„ errichtet. Der gegenüber dem Bahnhof liegende Metzinger Weinberg ist zum Teil vulkanischen Ursprungs. Und vom Bahnhofsplatz aus geht es direkt auf dem geologischen Lehrpfad „Ströhmfeldweg„ weiter, bis zur Stauferstraße, in die man abbiegt (Informationstafel: Ammonit und blaues Dreieck).
Mit dem Anstieg des Weges überwindet man dann eine „Schichtstufe im unteren „Mitteljura“, auch „Dogger“ genannt. Die Schichtstufe besteht hier aus geschieferten Tonen. In Gebieten, die aus dem sogenannten „Opalinuston“ bestehen (benannt nach einem Ammoniten) kann es schon mal leicht zu Hangrutschen kommen. Andererseits sind diese Tonsteine auch sehr mineralhaltig, weshalb sie früher auch zum Düngen der Weinberge verwendet wurden. Übrigens: Die Eisensandsteine im unteren Mitteljura (Dogger) sind neben dem „Bohnerz“ das wichtigste heimische Eisenerz. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgte der Abbau der Eisenlager in diesen Schichten im Raum Wasseralfingen und bei Blumberg. Der Abbau der „Minette“ von Lothringen ist ebenfalls an diese Schichten gebunden. Zahlreiche Erzgruben und Schlackenfunde bezeugen eine Jahrhunderte alte Bergbautradition im Raum Metzingen: So konnte durch Untersuchungen des Landesdenkmalamtes nachgewiesen werden, dass bei Frickenhausen im 7./8. Jahrhundert ein Verhüttungsofen betrieben wurde und zwischen Metzingen und Grafenberg bereits im 12. Jahrhundert eine Eisenhütte bestand.
![]() Ausblick vom Floriansberg |
Weiter geht der Weg zum ersten richtigen Vulkan auf der Strecke - dem Floriansberg, einer der zahlreichen vulkanischen Zeugen des Vulkangebiets Urach-Kirchheim. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf Metzingen und die Achalm bei Reutlingen. Steil führt der Weg dann durch die Streuobstwiesen und den Wald bergauf. An einer Weggabelung zweigt er zum Gipfel (mit guter Fernsicht) links ab. Danach hält man sich rechts und kommt erneut an eine Kreuzung (das Arboretum liegt links). Von hier aus geht es rechts am Sportplatz vorbei nach Kappishäusern und dann nach Kohlberg.
Nächste Station, nächster Vulkan: Weithin sichtbar erhebt sich der kahle Vulkanberg Jusi über dem Ort. Bemerkenswert ist auch der Bestand alter Lärchen. Diese Baumart ist auf der Schwäbischen Alb eher selten. (Abkürzungsmöglichkeit: Nach dem Vulkanberg Jusi direkt nach Kohlberg und von dort mit dem Bus nach Metzingen). Vom Jusi geht´s weiter, über die grauen, scharfkantigen Kalksteine des Oberjuras (Malm), die oft wie sorgsam aufgeschichtetes Mauerwerk erscheinen und daher auch als „Wohlgebankte Kalke„ bezeichnet wurden. Immer der Beschilderung nach (blaues Dreieck) geht es in den für die Schwäbische Alb typischen Buchenwald zum Sattelbogen hinunter. (Abkürzungsmöglichkeit: Beim Sattelbogen nach Dettingen ÖPNV in Richtung Bad Urach und Metzingen möglich).
Immer noch fit? Nun, dann kommt eine weitere schöne Wegstrecke: Hinauf aufs Hörnle, das unter anderem einen imposanten Blick in einen Steinbruch gewährt. Der Abbau wurde übrigens unter anderem deswegen eingestellt, weil man durch die kalten Nordwinde negative klimatische Auswirkungen für den Obstanbau im Ermstal befürchtete. Am Schillingskreuz verlässt man den „Ströhmfeldweg„, steigt oberhalb von Dettingen ins Wachtertal hinunter, biegt links ab (Spielplatz) und quert die Buchhalde auf der Richard-Wagner-Straße. Dann wandert man in Richtung Bad Urach über die Lortzingstraße bis zum Ortsende (großes Spielplatzgelände) und von dort aus immer weiter oberhalb der Talniederung der Erms.
![]() Residenzschloss Bad Urach |
Bad Urach liegt übrigens in einer Mulde auf einer Sinterkalkterrasse und ist von einem Felskranz aus Massenkalken des Oberjura (Malm) umgeben. Das ehemalige württembergische Residenzschloss, Teile des alten Bahnhofs und des Postamts und andere Gebäude bestehen aus dem löchrigen Sinterkalk, der früher etwas oberhalb von Bad Urach im Seeburger Tal abgebaut wurde.
![]() Alb-Thermen Bad Urach |
Aber bevor man sich im Städtchen zur Entspannung endlich in die Fluten der Albthermen oder des Höhenfreibads gleiten lässt, noch ein Blick auf den letzten Vulkan an der Wegstrecke: Wenn man auf dem Weg nach Bad Urach über das Ermstal blickt, grüßt auf der anderen Seite der von einer einsamen Linde bestandene Vulkan Calverbühl.
![]() Ermstalbahn |
Rückfahrt? Klar! Die Ermstalbahn bringt müde Vulkanwanderer wohlbehalten und bequem wieder zurück! Der Bahnhof Bad Urach wird stündlich von den Zügen der Ermstalbahn Bad Urach – Metzingen – Reutlingen ( – Tübingen – Herrenberg) bedient. Zusätzlich fahren von dort die Buslinien 173, 7640, 7643, 7645 und 7646 ab.
Die Vulkan-Tour wurde mit tatkräftiger Unterstützung des BUND Neckar-Alb (Regionalgeschäftsstelle, Kronenstr.4, 72070 Tübingen, Tel. 07071 / 943885) erstellt. Herzlichen Dank!













