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Die Marmor, Stein und Eisen-Tour: Erdgeschichte rund um Tübingen

Startpunkt Herrenberg, Endpunkt Österberg

Freizeitkarte F523 Tübingen/Reutlingen 1:50.000 (hier online bestellen)

 

Alabaster aus Altingen, Gips aus Gültstein, Meteoriten, die bei Tübingen vom Himmel fielen – diesen geologischen Besonderheiten kommt man bei dieser erdgeschichtlichen Zeitreise auf die Spur.




Stiftskirche Herrenberg

Tourbeschreibung:

Gipskeuper“ – ein wichtiges Wort, wenn man die Stiftskirche in Herrenberg aus der Perspektive eines Geologen betrachtet. Warum? Nun, weil die Keuperhänge am Schönbuchrand dazu neigen abzurutschen und diese Absenkung in der Stiftskirche Bauschäden hervorrief. Diese waren so schlimm, dass die beiden gotischen Türme der Westfassade 1749 abgebrochen werden mussten und durch die „Zwiebelhaube“ ersetzt wurden.

 

Von Herrenberg aus nimmt man in Richtung Tübingen am besten die Ammertalbahn und genießt die wunderbare Aussicht. Ab Altringen kommt der Schönbuchrand in Sicht. Früher wurde in den Tälern des nördlichen Schönbuchrandes Keupergestein verarbeitet. Mühlsteine, Bausteine und Skulpturen enstanden aus dem sogenannten „Stubensandstein“. Der heißt übrigens so, weil er  wegen seines hohen Quarzanteil auch zum Ausfegen der Stuben benutzt wurde. Vor allem schätzten die Baumeister das Gestein aus dem Schaichtal: Teile des Ulmer Münsters, des Kölner Doms oder des Klosters Bebenhausen bestehen daraus. Derzeit liefern nur noch zwei kleinere Steinbrüche hauptsächlich Ersatzmaterial für Restaurierungen sowie Werkstein.

 

Kurz vor Pfäffingen lohnt sich der Blick nach rechts aus dem Zugfenster – im Hang erkennt man die Schichten des Gipskeupers mit seinen schlierigen, weißen Gipslagen. Früher wurde unter anderem in Entringen (Härensloch), Gültstein, Wurmlingen und Unterjesingen Gips abgebaut. Am Bahnhof Breitholz befand sich ein Brechwerk, wo Rohgips gebrannt und gemahlen wurde. Und in Altingen und Kayh wurde Alabaster abgebaut, der zum Beispiel im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart verbaut wurde.




Rathaus mit Marktbrunnen

Die nächste Etappe nach der idyllischen Ammertalbahnfahrt ist Tübingen mit seiner prächtigen Altstadt und zahlreichen heimeligen Cafés. Was es noch gibt:  Bernsteinlädchen! Zum Beispiel die Bernstein-Werkstatt in der Kornhausstraße. Kleiner Tipp: Mal extra fragen nach den Tübinger Urzeit-Ketten! Auch der Marktbrunnen bietet eine geologische Besonderheit: Er besteht aus Gauinger Travertin, einem bekanntem marmorähnlichen Baustein aus dem Raum Zwiefalten. Vogelliebhaber sollten sich die Platanenallee bei der Neckarinsel genau anschauen. Hier nistet eine Kolonie von rund 80 Dohlenpaaren. Diese pechschwarzen Vögel sind normalerweise in den Alpen zuhause; ihre Flugübungen absolvieren sie an der Stiftskirche und dem berühmten Wahrzeichen der Stadt, dem Hölderlinturm. Die untersten Reihen der Neckarmauer oberhalb der Brücke sind aus Stubensandstein gefertigt, ebenso zum größten Teil die Stiftskirche; lediglich der Figurenschmuck am Turm wurde aus Muschelkalk gefertigt.




Hölderlinturm



Innenstadt



Schloss Hohentuebingen


Weiter geht es zum Schloss Hohentübingen, das die Urgeschichtlichen Sammlungen der Universität mit den ältesten Zeugnissen eiszeitlicher Kunst aus Süddeutschland beherbergt. Lebende Fossilien kann man danach im Alten Botanischen Garten bestaunen: Mammut- und Gingkobäume warten auf Besucher. Und Kinder werden sich auch über den Spielplatz freuen.

 

Anschließend auf zur Uni! Im Gebäude Sigwartstraße Nr. 10 befindet sich die Paläontologische Schausammlung der Universität des Instituts für Geowissenschaften mit einmaligen Fundstücken fossiler Reptilien, Dinosaurier und Säugetiere sowie zahlreiche wirbellose Tiere (Ammoniten, Seelilien, Muscheln etc.). Wer jetzt erst richtig Feuer gefangen hat, gönnt sich eine weitere Exkursion zur Mineralogischen Sammlung des Instituts für Geowissenschaften. Einfach die Wilhelmstraße entlang stadtauswärts bis zum Lothar Meyer Bau (rechter Hand) gehen. Neben Erzen und Handstücken aus dem Vulkangebiet von Bad Urach – Kirchheim finden sich hier Meteoriten aus der unmittelbaren Umgebung Tübingens, aber auch aus der ganzen Welt.


Ein schöner Abschluss dieses Stadtspaziergangs ist die Besteigung des Österberges. Seine Hänge bestehen zum Teil aus „Knollenmergel“. Diese Ablagerungen aus der Keuper-Zeit sind für Hangrutsche verantwortlich, was übrigens den Österberg auch vor weiterer Verbauung geschützt hat. Vom Österberg (Haltestelle Kleiststraße) aus erreicht man den Tübinger Hauptbahnhof mit der Buslinie 10 (alle 30 Minuten, abends und Sonn- und Feiertags stündlich).




Lehrpfad Kirchbachtal

Option 1:  Geologische Lehrpfad im Kirnbachtal

Am nördlichen Stadtrand an der Straße nach Bebenhausen liegt der Geologische Lehrpfad im Kirnbachtal: Zwei bis drei Wanderstunden sollte man für diese geologische Zeitreise einplanen. Schön gemütlich kann man hier die Gesteinsschichten des mittleren und oberen Keupers im südlichen Schönbuch durchwandern und als Belohnung vom Kirnberg aus eine wunderbare Aussicht genießen.




Schönbuchmuseum Dettenhausen

Option 2: Schönbuchmuseum in Dettenhausen

Wer mehr über den Schönbuch erfahren möchte, ist im Schönbuchmuseum in Dettenhausen genau richtig. Einer der Ausstellungsschwerpunkte ist der Geologie und dem Natursteinabbau gewidmet. Hier erfährt man zum Beispiel, dass der Schönbuch aus Ton- und Sandsteinen besteht, dass die harten Sandsteine den charakteristischen Stufenrand des Schönbuchs bilden und trifft bei der Betrachtung der flachen Ebene der Schönbuchhochfläche wieder auf den inzwischen wohlbekannten Stubensandstein.




Natursteinpark Rongen

Option 3: Auf zu Steinmetz und Steinbruch!

Eine weitere Besonderheit und auch für Familien geeignet ist der Besuch im Natursteinpark Rongen. Verschiedene Skulpturen aus Werksteinen der Umgebung sind hier ausgestellt und können auf einem Rundweg (Länge 1 Kilometer) betrachtet werden. Neben einem Steinbildhauer-Atelier und einer Steinmetz-Werkstatt können auch antike und neue Skulpturen sowie historisches, gebrauchtes Baumaterial aus heimischen Natursteinen (z. B. Mauersteine, Platten, Pflaster, Treppen, Tore, Fenster u.s.w.) besichtigt werden. Der Natursteinpark Rongen ist vom Stadtzentrum aus über die Buslinie 8 (Galgenberg/Sudetenstraße) erreichbar.


Bildergalerie Naturpark Rongen


Rhätsandsteinbruch Pfrondorf

 

Option 4: Rhätsandsteinbruch in Pfrondorf

Wer sich noch mehr Geologisches anschauen will, dem sei ein Besuch im Rhätsandsteinbruch der Fa. Nagel empfohlen. In Lustnau geht es in Richtung Pfrondorf hinauf (Pfrondorfer Straße) und nach der Bushaltestelle (Linie 7601) links ab (Ob dem Himmelreich). Der Weg führt zunächst rechts durch ein landwirtschaftliches Anwesen und dann noch etwa 2 Kilometer durch den Wald (Hinweisschild). Dann ist man schon im Gewann Hägnach an der letzten Abbaustelle dieses Gesteins im Kreis Tübingen. Seit mehr als 100 Jahren werden hier Rhätsandsteine abgebaut, die dann zum Beispiel als Pflastersteine in der Tübinger Altstadt verbaut werden.



Sie möchten weitere Infos über Tübingen (Karten, Flyer, Stadtführungen)? Dann schauen Sie doch einfach mal beim Tourist & Ticket Center des Bürger- und Verkehrsvereins Tübingen direkt an der Neckarbrücke vorbei. Geöffnet Montag bis Freitag von 9.00 bis 19.00 Uhr, Samstag von 9.00 bis 17.00 Uhr. mail@tuebingen-info.de, www.tuebingen-info.de.



Die Marmor, Stein und Eisen-Tour wurde mit tatkräftiger Unterstützung des BUND Neckar-Alb (Regionalgeschäftsstelle, Kronenstr.4, 72070 Tübingen, Tel. 07071 / 943885) erstellt. Herzlichen Dank!



Fahrplanauskunft
Hinfahrt zum Tourstart in Herrenberg
Fahrt von Herrenberg nach Tübingen
Rückfahrt vom Endpunkt der Tour, dem Tübinger Österberg
Datum
(TT|MM|JJ)
Stadt / Ort
Uhrzeit
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