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Die Erdbeben-Tour: Zum Hohenzollerngraben in Hechingen

Start- und Endpunkt Hechingen

Freizeitkarte F523 Tübingen/Reutlingen 1:50.000 (hier online bestellen)

 

Wandern, wo die Alb wackelt - diese einmalige Möglichkeit bietet die gemütliche Tour zur Burg Hohenzollern. Dabei lässt sich ein Spaziergang durch die Historie preußischer Könige mit einer geologisch hoch interessanten Exkursion verbinden. Also auf zum nicht ganz erdbebensicheren Hohenzollerngraben!




Burg Hohenzollern

Tourbeschreibung:

Los geht es direkt am Parkplatz unterhalb der Burg Hohenzollern. Der Bahnhof Hechingen wird mindestens einmal pro Stunde von den IRE-Zügen der Linie Stuttgart – Reutlingen – Tübingen – Balingen – Sigmaringen – Aulendorf oder den HzL-Zügen der Linie Tübingen – Balingen – Sigmaringen – Aulendorf angefahren. Weitere Fahrmöglichkeiten bestehen mit den HzL-Zügen aus und in Richtung Gammertingen und Bussen. Mit der Buslinie 2 geht´s weiter. Sie fährt täglich um 11.25 Uhr vom Bahnhof Hechingen zur Burg und nachmittags um 15.55 Uhr (Sa, So, Feiertag) bzw. 16.10 Uhr (Mo-Fr) zurück (nur nach Anmeldung auf der Hinfahrt!).  Majestätisch erhebt sich die Stammburg der preußischen Könige und deutschen Kaiser hoch über der Stadt. Die Hohenzollern benannten sich übrigens nach dem Berg Zoller. Noch ein paar Worte zum Historischen: Die erste Burg wurde schon im 11. Jahrhundert errichtet. Nach Zerstörung und Wiederaufbau verfiel die im Dreißigjährigen Krieg zur Festung ausgebaute Burg im ausgehenden Mittelalter. Der Wiederaufbau in ihrer heutigen, neugotischen Form erfolgte im 19. Jahrhundert. Zwei Erdbeben in den Jahren 1970 und 1978 beschädigten die Burg schwer.

 

Jetzt aber rein in die Steigeisen! Der Weg zum Schloss ist gut ausgeschildert, also immer den Markierungen folgen. Nach einer Weile wird es ziemlich steil. Wer nicht genug Kondition für den gut zwanzigminütigen Aufstieg mitbringt, kann im Sommer auf Pendelbusse zurückgreifen (Kleingeld mitnehmen, die kosten was!).




Grafensaal Burg Hohenzollern

Geologisch gesehen ist der Zollerberg ein sogenannter Zeugenberg. Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Geologie den von der Verwitterung verschonten Teil einer zurückweichenden Schichtstufenlandschaft. Und was hat es mit dem oben erwähnten Hohenzollern-Graben auf sich? Folgendes: Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Bereich der Zollernalb zwischen Balingen und dem heutigen Albstadt drei größere Erdbeben (1911, 1943, 1978), zu denen noch zahlreiche weitere, schwächere Erdstöße hinzuzurechnen sind, die allerdings allesamt glücklicherweise nicht viel Schaden anrichteten. Allerdings verläuft der Hohenzollerngraben, eine bekannte geologische Struktur, in nordwestlich-südöstlicher Richtung, während die Erdbebenherde in Nord-Süd Richtung angeordnet sind. Bislang haben die Geologen und Geophysiker keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen der erwiesenen Häufung von Erdbeben in diesem Gebiet und dem Hohenzollern-Graben aufzeigen können. Der Zitterhof nördlich von Pfeffingen verdankt übrigens seinen Namen der Erdbebenhäufigkeit des Gebiets.




Blauer Salon

Hat man den Aufstieg erschütterungsfrei gemeistert, betritt man die Burg durch das imposante Adlertor, steht bald darauf am Torturm mit Zugbrücke und kann dann zum Beispiel den Markgrafenturm, den Kaiser-, Bischofs- und Michaelsturm besichtigen. Jeder von ihnen ist anders gestaltet. Spektakulär ist der Rundblick über die Schwäbische Alb. In der Burg selbst lohnt sich eine Führung durch die Stammbaumhalle und den prächtigsten Raum, den Grafensaal. Außerdem kann man persönliche Gegenstände der Königinnen und Könige besichtigen, so zum Beispiel die Schleppe, die Königin Luise bei der Begegnung mit dem französischen Kaiser Napoleon trug. In der Schatzkammer ist die Preußische Königskrone ausgestellt.

 

Nun kann man entweder eine Pause im Burggasthof einlegen (ein schöner Biergarten mit einem atemberaubenden Ausblick!) oder wieder nach Hechingen hinunterwandern und die Zeit bis zur Heimfahrt in den heimeligen Cafés in den Gassen verbummeln.




KZ-Gedenkstätte Bisingen

Noch nicht genug? Ausflug zur Gedenkstätte

Wer nach der Burgbesichtigung noch eine Wanderung dranhängen möchte, macht sich auf den Weg nach Bisingen (dauert etwa eine Stunde). Hier hat man die Möglichkeit, die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers aufzusuchen. Vor und während des Zweiten Weltkrieges wurde das Lager eingerichtet. Der Plan, eine wirtschaftliche Ölgewinnung aus dem hier abgebauten bitumenhaltigen Schiefergestein des Unterjuras („Posidonienschiefer“) auf die Beine zu stellen, schlug allerdings fehl.

Vom Gewann Erbsacker aus führt der direkte Weg (blaues Dreieck) in Richtung Hechingen. Ab hier sollte man etwa eine Stunde reine Laufzeit zum Bahnhof einkalkulieren. Vom Waldrand aus geht es abwärts (der Stadtteil Boll liegt rechter Hand). Auf dem Weg nach Hechingen quert man die Schichten des Mitteljuras. Für den Laien sind diese Bereiche vor allem an den Streuobstwiesen und Kleingärten erkennbar, da auf dem tonigen und zu Rutschungen neigenden Untergrund keine gute landwirtschaftliche Nutzung möglich ist. Der Weg trifft für ein kurzes Stück auf die Fahrstraße, auf der man die Bahnlinie in der Nähe des Friedhofes überquert. Vom Friedhof fährt ein Bus in die Innenstadt (Obertorplatz). Hier besteht teilweise Busanschluss zum Bahnhof Hechingen.

Der eigentliche Fußweg nach Hechingen führt unter der vierspurigen Umgehungsstraße hindurch. Entlang der Heiligkreuzstraße gelangt man zum Obertorplatz und weiter zum Marktplatz der ehemaligen Residenzstadt. Über Treppen erreicht man die Straße unten am Rain, hier rechts abbiegen (Staig) und zur Starzel hinuntergehen, die auf der Stutenhofstraße überquert wird. Dann in die Herrenackerstraße rechts bis zum Ende und links in die Bahnhofstraße einbiegen. Bei der Post geht es rechts in die Tübinger Straße. Jetzt noch über die Gleise des stillgelegten Landesbahnhofs und schon ist man am Endziel Bahnhof.




Villa rustica

Option 1: "Römer, Freunde, Mitbürger!“

Auch die Architekten vor 2000 Jahren wussten schon, was „in“ ist und so wurde der römische Gutshof im heutigen Hechinger Stadtteil Stein im damals modernen „Portikus-Stil“ erbaut. Anschauen kann man sich die Villa Rustica, die erst 1973 entdeckt wurde, im Freilichtmuseum Hechingen-Stein. Die Portikusvilla, in der sich das Museum befindet, wurde wieder aufgebaut und sieht aus wie damals, als die Römer hier noch ein und aus gingen. Auch Teile eines Badehauses sind zu sehen (Fußbodenheizung gab es damals auch schon!) Übrigens: Passenderweise in der Römerstraße kann man nach dem Museumsbesuch bei Familie Albus (na, Lateinschüler? Was heißt „albus“ übersetzt?) im Gasthof Lamm einkehren. Anfahrt zum Museum: Vom Hechinger Bahnhof mit dem Bus nach Stein (Haltestelle Römische Ausgrabungen), die Fahrzeit beträgt 13 Minuten. Die Alternative zum Bus ist ein zwei Kilometer langer Fußgänger- und Radfahrweg entlang der Hauptstraße.




Auf in´s kühle Naß!

Option 2: Wasser, Bier und Streichelzoo

Für Familien mit Kindern gibt es gleich mehrere schöne Möglichkeiten, den Tag in und um Hechingen zu verbringen. Das Hallen-Freibad wartet gleich mit vier Kinderbecken inklusive Wasserfällen und Fontänen auf, außerdem gibt es unter anderem ein Warmwasser-Außenbecken, einen Spielplatz, einen Schachplatz und grüne Wiesen rundum! Ganz in der Nähe der Burg Hohenzollern (an der Auffahrt zur Burg an der B27) bietet sich ein Abstecher zum Hofgut Domäne an. Alles da, was das Herz begehrt: ein schöner Biergarten, eine kleine Brauerei, ein Spielplatz und ein Streichelzoo! Und der „Maultascha“ ond Kässpätzle sind natürlich auch nicht zu verachten.

 



Die Erdbeben-Tour wurde mit tatkräftiger Unterstützung des BUND Neckar-Alb (Regionalgeschäftsstelle, Kronenstr.4, 72070 Tübingen, Tel. 07071 / 943885) erstellt. Herzlichen Dank!



Fahrplanauskunft
Hinfahrt zum Start in Hechingen - Burg Hohenzollern
Rückfahrt vom Endpunkt Hechingen Bahnhof
Datum
(TT|MM|JJ)
Stadt / Ort
Uhrzeit
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